Lesung


Hier ist Platz für unsere Literaten. Vielleicht möchten Sie sich uns anschließen, bei uns mitmachen, einen Text präsentieren?  Schicken Sie uns einfach eine Textprobe oder berichten Sie kurz über Ihre Aktivitäten. Eventuell verfügen Sie auch über eine Homepage. Schicken Sie uns einen Link. Alfred Rosen und das Orga-Team

Eine allgemeine Anmerkung:

Sie befinden sich auf der Seite „Lesungen“. Hier stellen unsere Autorinnen und Autoren sich und ihre Werke in einem „digitalen Porträt“ vor. Außerdem informieren sie über Termine und Inhalte ihrer nächsten Lesungen. Ein Textbeispiel oder eine Leseprobe vermitteln einen ersten Eindruck vom Werk. Bitte beachten Sie, dass diese speziellen Inhalte ortsgebunden sein können und von Ausstellungsort zu Ausstellungsort variieren. Unverändert bleibt jedoch das „Digitale Portrait“.

Lassen Sie mich auf das „Digitale Porträt“ näher eingehen: Auf der separaten Seite „Gedanken zu RHEIN! ROMANTIK?“ präsentiert sich jeder Teilnehmer mit einem solchen Portrait. Dieses enthält neben einem persönlichen Foto des Autors und der Teilnehmernummer einen stark gekürzten Auszug aus einem Text, den der Teilnehmer zum Thema der Ausstellung RHEIN!ROMANTIK? verfasst hat und in dem er seine Gedanken zum Ausdruck bringt.

Der vollständige Text findet sich unter dem jeweiligen „Digitalen Porträt“ auf der Seite „Gedanken zu RHEIN! ROMANTIK? (Hilfe bei der Erstellung des „Digitale Porträt“. Dieser Text war ursprünglich Teil unserer gedruckten Broschüre, aus diesem Grund finden Sie ihn noch immer unter dem Stichwort Broschüre.)

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Links neben dem persönlichen Foto des Autors (Passfoto) wird der Künstler mit einem kurzen Beitrag (Text und/oder Bild vorgestellt). Dieser Abschnitt enthält allgemeine Informationen über den Künstler, wie z.B. seine bisherigen Arbeiten. Es handelt sich also um Projekte, die nicht in direktem Zusammenhang mit einer angekündigten Lesung und somit mit einem bestimmten Ausstellungsort oder einem bestimmten Buch stehen.

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Ein Klick auf das „Digitale Porträt“ auf der Seite „Lesungen“ führt automatisch zur Seite „Gedanken zu RHEIN!ROMANTIK?“ mit dem vollständigen Text zum Ausstellungsthema. Wir haben diese Navigation eingerichtet, um Ihnen den Zugang zu den umfangreichen Beiträgen unserer Teilnehmer zu erleichtern und sicherzustellen, dass Sie keinen wertvollen Beitrag verpassen.

Honorar

Unsere Gemeinschaft agiert auf ehrenamtlicher Basis. Das bedeutet, alle Beteiligten leisten ihren Beitrag ohne Honorar und mit viel Leidenschaft für die Kunst und Literatur. Wir teilen das gemeinsame Ziel, die Faszination und Schönheit der RHEIN!ROMANTIK? einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Alfred Rosen und das Orga-Team

Lesungen Simmern 2024


Die Lesungen in Simmern finden im Neuen Schloss statt. In einem Saal, der direkt an das Foyer im EG angrenzt. 18.1.2024 19.00 Uhr Leona Riemann, 20.00 Uhr Margret Drees und
22.2.2024: 19.00 Uhr Christiane Ulmer-Leahey, 20.00 Uhr Alfred Rosen

18.1.2024 Neues Schloss : Leona Riemann, 19.00 Uhr

Leona Riemann liest aus dem Buch „Hunsrücker Band 1“ die Erzählung:

„Auf dem Weg zum Rhein“

Unterwegs mit dem Korbmacher nach Bacharach, 1803

„Mores, komm, auf geht‘s!“

Der schwere schwarze Hund erhob sich und schüttelte Laub und Erdbrocken aus dem dichten Pelz. Mit lang­samem Zungenschlag leckte er sich die letzten Brot­krumen vom Maul und blickte aus dunklen, geduldigen Augen seinen Herrn an. Eine kleinere, fuchsrote Hündin mit struppigem Fell erhob sich ebenfalls und betrachtete mit gesenktem Kopf, doch mit wachen Augen das Geschehen. Ihr Körper wies deutliche Narben und Spuren vergan­gener Misshandlung auf; quer über ihren Schädel zog sich ein Streifen weißer Haare, wie sie aus verletzter Haut und Narbengewebe wachsen.

Wortlos schirrte Johannes Pies, der Korbmacher, seinen Hund an die Deichsel des bis über seine eigene Größe hinaus schwankend mit Körben aller Art hochgestapelten Karrens. Er selbst stellte sich dem Hund zur Seite auf die andere Seite der Deichsel, die Fuchsrote ließ er laufen. Ein kurzes Tätscheln, dann stemmten sie sich gegen das Gewicht des Karrens, das sie trotz des geräuschvoll schleifenden Bremsholzes den steilen, unwegsamen Pfad zum Rhein hinabzudrücken schien. Mühsam hielt er den Hebel, aufgeregt flatterten drei Hähnchen, die er in kleinen Käfigen lose ganz oben auf dem Karren fixiert hatte und für die er sich guten Erlös erhoffte. Am Rhein gaben die Leute für ein Hähnchen schon mal einen Centime mehr als droben auf dem Hunsrück. Sein Freund Nikolaus Reinhardt, der Knopfmacher aus Miehlen, der die Tochter eines Gastwirts in Bacharach geheiratet hatte, hielt mindestens zehn oder zwölf Hühner hinter dem Haus, vielleicht sogar noch mehr. Regelmäßig Eier essen und hin und wieder ein Hähnchen verkaufen oder selbst essen zu können, dazu in einem festen Haus am Rhein zu wohnen, zwischen all den guten Bürgern – das erschien Johannes als der Inbegriff des Glücks. Er seufzte. Hatte Nikolaus es nicht besser getroffen als er selbst?

18.1.2024 Neues Schloss : Margret Drees, 20.00 Uhr

Margret Drees liest aus ihrem Buch: Die 7 Jungfrauen und das Traumwochenende eine moderne Version vom Mäuseturm

Leseprobe:

Doch so genau auch sämtliche Abflüge ins Auslandkontrolliert wurden, der Schuldige befand sich nirgends auf einer Passagierliste. Der war nämlich indes mit dem Motorboot seines Sohnes von Mainz aus rheinabwärts gefahren und hielt nach einer geeigneten Insel Ausschau. Als er den Mäuseturm im Rhein bei Bingen erblickte, erinnerte er sich an die Sage, die von dem grausamen Erzbischof Hatto erzählte, der auf der Flucht vor den Mäusen auf die Insel geflüchtet war.

Aber, dachte sich Herr Köpfle, damals ist nicht heute, und er legte unbemerkt an der Insel an. Er ging an Land, schaute sich die Insel und den Turm von allen Seiten an, und als er zurückkam, erblickte er …

22.2.2024 Neues Schloss, Großer Saal: 19.00 Uhr Christiane Ulmer-Leahey,

Zauberhafte Geschichten aus dem Orient und Okzident

von Christiane Ulmer-Leahey 

Sie stand nun genau am Waldesrand, noch hatte sie gute Chancen unentdeckt
zu entkommen. Der Mann in Stiefeln trat näher an das Reh heran, es
versuchte wieder sich aufzurichten. Die Tür des Audis öffnete sich, auch die
Polizeibeamten traten jetzt auf den Plan. Mariella bemerkte auch hier die
Pistolen. Sie wusste, dass es in diesem ganzen Szenario für sie keine Freunde
gab. Sie machte die wenigen Schritte ins Dickicht, auf die knackenden Zweige
achtete sie nicht mehr …
Mal spannend, mal nachdenklich oder witzig sind die Erzählungen in diesem
neuesten Band von Christiane Ulmer-Leahey. Zauberhafte Geschichten
aus Orient und Okzident laden die Leser und Leserinnen ein, die agierenden
Personen ein Stück auf ihrem teils sehr abenteuerlichen Weg zu begleiten.
Zu Recht empört sich der Leser oder die Leserin über Ungerechtigkeiten, die
den Figuren widerfahren. Ob die Geschehnisse sich nun im kühlen Bergland
oder in heißen arabischen Ländern ereignen, oft sind es Frauen, denen übel
mitgespielt wird und sie wehren sich mutig, mal mit mehr und mal mit weniger
Erfolg. Zuweilen wähnt sich der Leser oder die Leserin in einem Krimi,
in dem es um Leben und Tod geht. Und dann entführen die Erzählungen ins
Land von 1001 Nacht, aus dem es Neues, aber nicht weniger Fantastisches
zu berichten gibt. Am Ende fällt es schwer, sich von den Personen und den
Orten zu verabschieden. Was bleibt, ist eine diffuse, schwer zu beschreibende
Stimmung, hervorgerufen durch die extremen Unterschiede der Schauplätze
sowie die gewonnenen Einsichten in die Abgründe und Potentiale des
menschlichen Wesens. Es mag den Leser oder die Leserin auch eine eigentümlichen
Reiselust überkommen, die Länder und Gegenden, in denen die
Geschichten spielen, aufzusuchen. In den Erzählungen gesellt sich zu dem
Fantastischen ein Realismus, der den Lesern klarmacht, dass, wenn die Dinge
auch vielleicht nicht genauso gewesen sind, wie sie hier geschildert werden,
sie doch so oder so ähnlich hätten geschehen können.

22.2.2024 Neues Schloss, Großer Saal: 20.00 Uhr Alfred Rosen

Alfred Gregor Rosen wird in Bingen zur Lesung am 08. Oktober 2023 ab 15:30 Uhr sowohl aus „Kälte 1813“ wie auch aus „Böses Treibgut“ lesen.

Sein Premiere Roman „Der Tote im Spritzbassin“ erschien 2020. Noch im gleichen Jahr folgte der Roman „Böses Treibgut“. Sein jüngster Roman „Kälte 1813“ erschien 2023.

Der Roman „Kälte 1813“ erzählt von den Schicksalen jener Zeit am Mittelrhein, als verbündete Armeen das französisch besetzte Rheinland befreiten. Menschen mit großer Zivilcourage und leidgeprüfte Bürger stemmen sich gegen die Wirren von Krieg und drohender Anarchie.

In „Böses Treibgut“ überfallen im Frühjahr 1963 zwei maskierte Bankräuber eine kleine Bankfiliale in Mainz. Dass sie auf ungewöhnliche Art mit einem kleinen Ausflugsschiff über den Rhein entkamen, realisierte die Polizei viel zu spät. Auf der Flucht geraten beide in Streit und treiben hilflos auf die Sandbank einer Rheininsel bei Rheinkilometer 539 zu. Ein durchdachter Plan endet urplötzlich durch eine dumme Fahrlässigkeit. Auf der weiteren Flucht stellen sich immer wieder unkalkulierbare Handicaps in den Weg. Streit und Habsucht hinterlassen eine Spur von Gewalt und Tod.

2024

Lesungen 2024/5

St. Goarshausen, Neues Rathaus

So, 2.6.2024

15.00-15.45: L001 Alfred Rosen

15.45-16.30: 062 Anette Dodt

So, 9.6.2024

15.00-15.45: L010 KJ Perscheid

15.45.-16.30 L006 Christiane Ulmer-Leahey

So, 16.6.2024

15.00-15.45: L007 Jörg Staiber

15.45.-16.30: N.N.

Bacharach, Mittelrheinhalle

So, 4.8.2024

15.00-15.45.: L004 Walter Karbach

15.45.-16.30: Alfred Rosen

Sa, 10.8.2024

15.00-15.45: L010 KJ Perscheid

15.45-16.30: L005 Margret Drees

So, 11.8.2024

15.00-16.30: L008 und L009 Susanne Enderwitz/Dieter Kramer (Doppellesung)

So, 18.8.2024

15.00-15.45: L006 Christiane Ulmer-Leahey

15.45-16.30: Monika Boess

Simmern, Neues Schloss

Do, 16.1.2025

19.00-19.45: L005 Margret Drees

19.45-20.30: Armin Thommes

Do, 23.1.2025

19.00-19.45 L006 Christiane Ulmer-Leahey

19.45-20.30 L003 Monika Boess

007 Armin Thommes

Die Macht des Bewusstseins

In seiner Präsentation stellt Armin Thommes sein Buch „Die Macht des Bewusstseins“ vor, eine ungewöhnliche Mischung aus Sachbuch und Erfahrungsbericht. Die Gedanken, die er in seinem Verlauf entwickelt, beruhen auf empirischen Daten, die es zu bestimmten Bewusstseinsphänomenen gibt, aber eben auch auf eigenen Erfahrungen des Autors mit ihnen.

Da der Wissenschaftskontext zu wenig Methoden an die Hand gibt, um zahlreiche Bewusstseinsphänomene zu beschreiben, entwirft Dr. Thommes ein neues Bewusstseinskonzept. Er nennt es das „Modell der externen Bewusstseinsfelder“. Erst dank dieses Modells können menschliche Erlebnisse in veränderten Bewusstseinszuständen (Meditation, Trance, Nahtod usw.), wie z.B. die Begegnungen mit andern „Wesenheiten“ oder Erfahrungen von Außerkörperlichkeit fassbar gemacht werden.

Wenn sich das Bewusstsein selbst als bedeutendste Macht des Universums offenbart, verliert der traditionelle Gottesbegriff an heuristischem Wert. Mit dem Bewusstsein können wir enorme Energien kanalisieren, die Materie beeinflussen und auf diese Weise auch heilend tätig werden.

Flaschenpost

„Da! Echt jetzt! Voll auf die Nase!“ Hannes wischt sich ärgerlich durchs Gesicht. „Alles was recht ist, aber spätestens, wenn’s regnet, hört’s doch nun wirklich auf mit der Romantik.“

Lorena schmunzelt und zieht ihren kleinen Taschenschirm aus dem Rucksack: „Man muss nur gerüstet sein, Hannes.“

„Lassen Sie mich bloß mit dem Knirps da in Ruhe. Den rühr ich nicht an.“ wehrt Hannes missmutig ab, „Ich hab‘ mal so ein Gerät zum Geburtstag gekriegt und schon beim ersten Mal Ausprobieren hab ich fast mein Augenlicht verloren, na, jedenfalls das halbe. Das Ding springt einfach so ohne Vorwarnung von selbst auf, nur wenn man es unauffällig zu den Geschenken, die man nie haben wollte, zu räumen versucht, und das mit einer Kraft, der ich jedenfalls nicht viel entgegenzusetzen hab‘. Ein Schirm ist ein Gebrauchsgegenstand und hat sich gefälligst auch so zu verhalten. Aber diese Automatik-Dinger da haben ja ein regelrechtes Eigenleben, und verhalten sich nachweislich feindlich gegen uns Menschen. Wahrscheinlich ist da auch noch GPS-Krempel dran, so dass man von jedem x-beliebigen Spion ohne Probleme aufgespürt werden kann.“

Lorena steckt spöttisch den Schirm wieder in den Rucksack zurück: „Da staune ich jetzt aber. Seit wann führen Sie denn ein derart riskantes Leben, dass es Geheimdienste auf Sie abgesehen haben könnten?! Allerdings ist es zugegebenermaßen schon erstaunlich, dass der einzig nennenswerte Regentropfen weit und breit ausgerechnet auf Ihrer Nase gelandet ist. Da liegt der Verdacht nahe, dass dies eine technisch ausgeklügelte ferngesteuerte Nieselattacke auf Sie darstellt. Man muss wohl unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass Sie das dezidierte Ziel von irgendwelchen die Weltherrschaft anstrebenden, bösartigen Mächten sind.“

„Sie brauchen sich gar nicht lustig zu machen über mich,“ mault Hannes und bleibt abrupt stehen, „wer ist denn schuld an meinen versauten Schuhen und den verdreckten Hosenbeinen? Wer kommt denn auf die hirnrissige Idee, in der Januarkälte im Dunkeln auf dem Leinpfad – und damit sowieso schon halb im Fluss – spazieren zu gehen, und hält das auch noch für witzig? Wir hätten wunderbar bei ein, zwei weiteren Gläschen mit weltbester Aussicht auf den Rhein im Fürstenberg hinter der Fensterscheibe sitzen bleiben können, aber nein, das Fräulein kriegt ihre Anwandlungen und schleppt mich durch die übelst nach Pisse stinkende Unterführung gradewegs an die Uferkante, um im Matsch in die gruselige Nacht hinein zu starren und sich verloren und verlassen zu fühlen. – Mist! Und jetzt bin ich auch noch hängen geblieben.“

L001 Alfred Rosen

Kapelle ohne Schatten

Wie in dieser Jahreszeit nicht selten, lag am frühen Morgen ein zäher Dunstschleier über dem Rhein, während die Frühlingssonne wie Lichthauben die Bergspitzen des Siebengebirges schon hell bestrahlte. Das milde Klima der letzten Tage hatte dafür gesorgt, dass der bewaldete Bergrücken des Reichenberg unterhalb der Lungenheilstätte Hohenhonnef sein hellgrünes Frühlingskleid bekam. Der Wald war erfüllt vom Konzert unzähliger Vögel und vieles sprach dafür, dass es einen guten Übergang in den Mai geben würde.

Nach entbehrungsreichen Jahren freuten sich viele Menschen, den traditionellen Maifeiertag zu feiern, zumal sich diesem Feiertag auch noch ein Wochenende anschloss. Wer bisher noch keinen Frühjahrsputz gehalten hatte, der holte es spätestens an diesem 30. April nach.

Auch wenn es in Deutschland aufgrund der immer noch spürbaren Auswirkungen von Weltkrieg und Wirtschaftskrise Millionen Arbeitslose gab, so halfen sich viele selbst, die ärgste Not irgendwie zu lindern. Wer kein regelmäßiges Einkommen hatte, hielt sich mit Gefälligkeitsarbeiten über Wasser. Viele hatten sich ein kleines Stück Land urbar gemacht und versorgten die Familie mit Gemüse und was der Garten sonst noch so hergab. Man hatte nicht viel, aber es ließ sich leben. Auch wenn sich immer mehr politisch geprägte Unruhen im Land ausbreiteten, verspürte man im ländlichen und kleinstädtischen Bereich noch ein gewisses harmonisches Miteinander. Man kannte sich und nicht alle Geheimnisse blieben Geheimnisse.

Keiner ahnte, dass an diesem strahlenden Frühlingsmorgen die sich gerade erst wieder entwickelnde bürgerliche Harmonie einer Kleinstadt am Rhein urplötzlich durch markerschütternde Schreie eines Mannes zerrissen würde.

Wilhelm Birnbaum fuhr zusammen, und ihm wäre sein Besen vor Schreck fast aus den Händen geglitten. Er hatte gerade erst seinen Tagdienst als Pförtner der Klinik Hohenhonnef begonnen. Seinem Sinn für Ordnung und Sauberkeit entsprechend, begann er Laub vor dem Eingangstor zur Seite zu kehren. Starr blieb er stehen und lauschte gespannt. Er war sich nicht sicher, ob er wirklich Schreie eines Mannes gehört hatte oder ob es vielleicht doch ein Tier war? Nicht selten, vor allem im Frühling, blökten auch schon mal Rehböcke im nahen Wald?

„Aaahh! Nein! Hilfe!“, rief jemand. „Loslassen!“

L003 Monika Boess

Im Schusterhaus

Im Schusterhaus in der „Grub“ roch es nach tranigem Leim und alten Leder. Den krummen Rücken gebeugt nagelte und klebte mein Opa Gumbrich am kaputten Schuhwerk. Offen blieb die Tür, selbst wenn der Regen rauschte und der Nebel vom Fluss heraufzog. Im Winter bollerte der Ofen neben dem Schrank mit dem Ledervorrat. Ich spielte mit Pechschnüren und sortierte die Nägel.

Uralt war das Haus, das sich hoch über den Straßenrand recken musste. Drei Stufen führten hinab ins Parterre. Gestampfter Lehm bedeckte den Boden der Schusterstube. Über eine Außentreppe gelangte man zu zwei Kammern hinauf. Knöterich wucherte in den Giebel rein. Ein ungestümer Geselle, der das Haus im Würgegriff zu halten schien. Rückseitig schloss sich ein verwilderter Garten an, in dem Hühner scharrten und Kaninchen in Verschlägen schlachtreif gefüttert wurden. Daneben hing ein Abort aus halb verfaultem Holz über einem stinkenden Loch.

Alle Winde fegten um das alte Haus, dessen Fundament auf Pfählen ruhend sich immer tiefer zu senken begann. Weder der schwedischen Reiterei Gustav Adolfs oder Tillys Kroaten gelang es, das Häuschen in Trümmer zu legen. Stadtbrände ließen es unversehrt, neue Kriege übersahen es. Als die Bomben das Viertel trafen, blieb es wie durch ein Wunder unzerstört. Es musste einen geheimen Schutzzauber besessen haben. Ein Eckhaus war es einmal gewesen. Jetzt hing es allein auf dem Acker des Untergangs.

Opas Hämmern klang durch verschwundene Gassen. Vor ihm breitete sich ein Trümmerfeld aus. Kellergewölbe nahmen den Regen auf. Tapetenfetzen verloren sich im Wind. Verborgene Nischen offenbarten sich. Mit jedem neuen Frühling wucherte ein grüner Teppich darüber hin, der ungestört zu blühen begann. Hundskamille und Klatschmohn wuchsen mit der Königskerze um die Wette. Struppige Stängel lauerten dem Herbst entgegen und irgendwann erstarrte alles im Raureif der ersten Winternacht.

Für meinen Opa Gumbrich befand sich alles am alten Platz. Ein Stückchen „Grub“ hatte sich in seine Seele gebrannt. Hier war er aufgewachsen und hier hatte er seine große Liebe gefunden. Die Hilda vom Bäcker Lanius, ein Mädchen, so blass wie Winterlicht, war ihm beim Tanz in der „Patronentasche“ begegnet. Kurzes Glück. Sie hatte es auf der Lunge gehabt.

Winterregen fiel auf ihr Grab.

L005 Margret Drees

Das Schwarz im Regenbogen

…Die beiden auf dem Kutschbock schweigen sich an. Solange es nichts zu sehen gibt, haben sie sich vermutlich auch nichts zu erzählen. Irgendwo zwischen den Häusern beginnt ein Hahn zu krähen, worauf ein anderer etwas weiter entfernt antwortet. Langsam, ganz langsam schickt sich die Stadt an, aus ihrem Schlaf zu erwachen. Aber noch kostet die Nacht unter dem Nebel ihre letzte Macht bis zur Neige aus, ehe sie sie triumphierend an den neuen Tag übergibt.

Inzwischen hat das Fuhrwerk das Ufer des Rheins erreicht. Der Fluss selbst ist in der erst beginnenden Dämmerung kaum zu erkennen, denn erst allmählich geht das Schwarz der Nacht in Grau über, und aus dem einen Grau lösen sich Abstufungen und lassen die Umgebung erkennen. Über dem Fluss geistert dichter Nebel und tanzt mit den Wellen, die nun schon erste Lichtfetzen spiegeln, stromabwärts. Friedrich Wilhelm schaut ihnen zu, und die alte Sehnsucht nach Freiheit will wieder in ihm aufkeimen. Viel lieber hätte er den Fluss unter anderen Umständen kennengelernt. Vielleicht im Frühling, wenn das Leben am Strom erwacht oder auch jetzt im Herbst, in der Herbstsonne, die den Fluss und die Hügel vergoldet, die letzten Trauben reifen lässt für einen neuen Wein und nicht so früh am Morgen, gefangen und frierend unter einer feuchten grauen Nebeldecke …

… Eine warme Suppe hätte er gebraucht, dann würde er sich ein wenig besser fühlen, und zudem ist er nicht ausgeschlafen. Wer nicht ausgeschlafen ist, hat einen ungeheuren Bedarf an Wärme und an Trost. Wann jemals in seinem Leben wurde er überhaupt getröstet? Eigentlich nie, wenn er von seiner Kindheit absieht. Damals war es seine Großmutter, die ihn, als er noch ein kleiner Junge war, hin und wieder auf ihren Schoß genommen hat, wenn er gefallen war und sich verletzt hatte oder bei ähnlichen Gelegenheiten. Nein, nicht seine Mutter und erst recht nicht sein Vater. Die waren streng. Versuchten, einen anständigen und tüchtigen Menschen aus ihm zu machen. Anständig und tüchtig! Gut, dass sie ihn nicht in dieser Situation sehen können und Groningen weit weg ist …

L006 Christiane Ulmer-Leahey

Sibylle Wabenreich und die Anonymen Begehrer

Sie hatte überhaupt keine Lust zu dem Treffen zu gehen. Draußen regnete es. Schon seit Wochen kletterte das Thermometer nicht über die 20 Grad Marke, und das im Juli! Es war der Vorschlag des Paartherapeuten gewesen, und ihr Mann hatte den Gedanken freudig begrüßt. Auch die Familie fand das mit den Anonymen Begehrern eine gute Idee. Vielleicht gelang es ihnen, der bis dato so treusorgenden Mutter und Ehefrau klarzumachen, dass sie ihr plötzlich geäußertes Verlangen nach Freiheit und Unabhängigkeit zugunsten ihrer ehelichen und familiären Verpflichtungen zurückzustellen habe.

Wie war das doch gleich mit der Frauenbewegung? Sie erinnerte sich an Geschichten ihrer Mutter, die sich mit ihren Freundinnen in der Jugend für Frauenrechte eingesetzt und ihre BHs öffentlich verbrannt hatte. Sibylle Wabenreich hatte diese Aktion stets als übertrieben belächelt. Jetzt war sie sich da nicht mehr sicher. Anfang des 21. Jahrhunderts musste sie plötzlich darum kämpfen, selbst bestimmen zu dürfen, ob sie ein Sabbatjahr einlegte und alleine eine Weltreise unternahm, um fremde Länder und sich selbst kennenzulernen? Die Kinder waren erwachsen und aus dem Haus. Ihr Mann teilte die Sehnsucht seiner Frau nach Freiheit und Abenteuer nicht. „Außerdem bin ich ja beruflich gebunden, ich kann mir eine solche Auszeit nicht leisten, selbst wenn ich es wollte.“ Was er vor allem nicht wollte, war, auf die Annehmlichkeiten des Ehelebens verzichten. Damit er sein Essen regelmäßig auf den Tisch bekam und die Wohnung stets aufgeräumt und sauber war, sollte sie auf ihren Lebenstraum verzichten? In häuslichen Gesprächen und später dann auch in den Sitzungen mit einem zu Hilfe gerufenen Paartherapeuten wurden Kompromisse ausgearbeitet und vorgeschlagen. Sie könne doch für eine kürzere Zeit in Urlaub fahren, wenn es sein musste auch mehrmals im Jahr. Bei der Auswahl der Destinationen würde Geld keine Rolle spielen. Mit einer Freundin solle sie reisen, alleine sei es zu gefährlich, und die ständige Angst um ihre Sicherheit sei der Familie nicht zuzumuten.

Kompromisse hatte sie in ihrem Leben genügend gemacht. Genaugenommen war ihr ganzes Leben ein einziger Kompromiss. Und dieses Mal, dieses eine Jahr nur für und mit sich alleine, darauf wollte sie nicht verzichten. Dennoch willigte sie ein, den Anonymen Begehrern einen Besuch abzustatten und zu einer ihrer Sitzungen zu gehen. Ziel dieses Vereins war es, Menschen dazu zu befähigen, die Ursachen ihrer Begierden zu erkennen und potenziell daraus entstehende Schäden für sich und die Umwelt abzuwenden. „Okay, ich höre mir an, was sie zu sagen haben. Anschließend treffe ich dann meine Entscheidung und die ist endgültig!“, verkündete sie und scherte sich in diesem Moment nicht darum, ob sie ihren Mann verärgerte oder verängstigte und welche Konsequenzen ihr Entschluss für das weitere eheliche Zusammenleben haben würde.

L007 Jörg Staiber

Die Nahe-Loreley

Die kleine Gruppe durchquerte ein rustikal gezimmertes Holztor, an dem ein rotweiß kariertes Wappenschild befestigt war, das die Aufschrift „Weibersprung“ trug. Hinter dem Tor ging es auf einen steilen Abgrund zu, davor stand eine einladend geschwungene Sinnesbank und im Schatten unter einigen verstreuten Eichen ein rustikaler Holztisch mit Bänken.

Laura ging schnurstracks auf die Sinnesbank zu und legte sich mit einem theatralischen Seufzer darauf. „Endlich Pause!“, stöhnte sie. „Mein Gott, war das anstrengend.“

„Wir sind gerade mal fünf Kilometer gelaufen“, meinte Gerd, ihr Vater, trocken. „In deinem Alter sollte man das vielleicht so gerade noch durchhalten.“

„Kommt Leute, wir essen und trinken erst mal was“, versuchte Julia die sich anbahnende Grundsatzdiskussion zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter zu unterbinden, die doch nur wieder darauf hinauslaufen würde, wie uncool es sei, dass eine 15-Jährige gemeinsam mit ihren Eltern in Urlaub fährt – und dann noch in eine so megablöde Gegend wie den Hunsrück. Außerdem wäre es Julia auch unangenehm gewesen, diese Auseinandersetzung vor Hannes zu führen. Hannes, das war Hannes Henschel, der ältere Bruder ihrer Pensionswirtin. Hannes war ein echtes Hunsrücker Urgestein, Alterskamerad der Freiwilligen Feuerwehr, Kassenwart beim örtlichen Wanderverein und aktiv in der Heimatkundegesellschaft. Und der hatte sich freundlicherweise bereit erklärt, die Familie auf ihrer Wanderung zu begleiten.

Hannes ließ sich von dem kleinen Geplänkel zwischen Vater und Tochter nicht irritieren. „Der Klausfelsen“, sagte er und zeigte auf einen Grat, der weit wie eine Bastion aus dem gegenüberliegenden Bergzug hervorsprang und dessen steile Bergnase in die Nahe hineinragte. Die Straße hinter dem Fluss verlief in einem Tunnel durch den Fels. „Man nennt ihn auch die Nahe-Loreley.“

Ob es nun Hannes‘ bestimmte Art war, Höflichkeit oder die Neugier beim Namen der Sagenfigur, auf jeden Fall kamen alle drei an den Abgrund und schauten hinüber auf den Felsen.

„Hat da auch einmal eine flotte Blondine gesessen, ihr Haar gekämmt und verführerische Lieder gesungen?“, fragte Gerd mit leichtem Spott.

„Nein, nein“, lachte Hannes. „Keine singende Schönheit. Nahe-Loreley heißt der Felsen, weil er wirklich imposant ist, besonders wenn man unten vom Naheufer aus zu ihm hochschaut. Aber eine Legende gibt es auch dazu. Und so ganz ohne schöne Jungfern funktioniert offenbar keine Legende, so eine gibt es auch zum Klausfels.“

L008/9 Susanne Enderwitz und Dieter Kramer

Mein Rhein: Zwei Zugezogene erzählen

Unser beider Rhein, der gemeinsame Rhein, begleitet unser Leben nun schon seit fast fünfundzwanzig Jahren. Damals kamen mein Mann (Frankfurt) und ich (Berlin) überein, unsere gegenseitigen Besuche in unseren jeweiligen Zwei-Zimmer-Wohnungen mit dem Kauf eines Ferienhauses zu erweitern. Ein paar Jahre später führte eine berufliche Veränderung dazu, dass ich Berlin verließ und wir aus dem Ferienhaus unseren Hauptwohnsitz machten.  Seitdem wohnen wir in einem Dorf oberhalb von Kaub, und seitdem haben wir auch unsere je eigene Annäherung an den Rhein gesucht.

Dieter Kramer:  Dass wir bei unserer Suche nach einem gemeinsamen Domizil überhaupt auf den Mittelrhein verfielen, hängt nicht zuletzt mit Dieter Kramers Familie zusammen. Er selbst wurde in Rüsselsheim geboren und ist dort auch aufgewachsen, aber beide Herkunftsfamilien (Nastätten und Zorn) lockten ihn in den Schulferien immer wieder in die Gegend. Als Kulturwissenschaftler und Volkskundler beschäftigt er sich heute bevorzugt mit Formen sozialer Gemeinschaft und gemeinschaftlichen Handelns, die am Mittelrhein einst so vital waren und sich auch im Werk herausragender Persönlichkeiten (Reformer, Literaten, Künstler am Mittelrhein) vor allem des 19. Jahrhunderts gespiegelt finden. Aus dieser Arbeit ist ein Buch (Gemeinsinn und Kreativität, Imprimatur 2022) hervorgegangen, das sich bewusst eher auf die Geschichten Einzelner und ihrer Gemeinschaften als auf eine Gesamtgeschichte des Mittelrheintals konzentriert und nach Wegen sucht, demokratische Traditionen für das 21. Jahrhundert erfahr- und erlebbar zu machen.

Susanne Enderwitz: Ein Aufwachsen in Frankfurt zieht nicht notwendig eine Vertrautheit mit dem Rhein nach sich, und so orientierte man sich bei den Enderwitz‘schen Familienausflügen vor allem an den Wurzeln der Mutter in Oberhessen. Studium und Arbeit in Berlin rückten für die nächsten dreißig Jahre den Rhein noch weiter in die Ferne; erst ein Berufswechsel von der Freien Universität Berlin an die Universität Heidelberg und das Pendeln zwischen der neuen Arbeitsstätte am Neckar und der ebenfalls neuen Wahlheimat am Rhein schärften den Blick für die Rheinkultur und die Romantik.  Die Perspektive erwuchs dabei aus dem Beruf: Als Orientalistin fiel mir auf, wie lokal verengt unser hiesiges Verständnis der Romantik ist, wie wenig ihr weltumarmend-weltverändernder Impetus im Gedächtnis geblieben ist und wie vergessen die geschwisterlich engen Bezüge zwischen Rhein- und Orientromantik sind. Deshalb bemühe ich mich seit einiger Zeit, diesen versunkenen Schatz wieder ans Tageslicht zu bringen, spüre aber auch über die Romantik hinaus bis zum Ende des 19. Jahrhunderts seiner Wandlung vom universalistischen Edelmetall ins eurozentrische Katzengold (z.B. Karl May) nach.

L010 Karl Josef Perscheid

Von unserem Haus in Urbar auf der linksrheinischen Burgenterrasse ist es bis zur Loreley ein knapper Kilometer Luftlinie. Viel näher bei dem sagenumwobenen Felsen kann man nicht wohnen! Wenn ich von unserem Aussichtspunkt Loreleyblick Maria Ruh hinab in das Rheintal schaue, habe ich auch nach mehr als 50 Jahren noch immer das Gefühl an einem der schönsten Punkte Deutschlands zu leben. Auf der anderen Rheinseite liegt mir die Loreley geradezu zu Füßen, ebenso die kleine turmbewährte Altstadt von St. Goarshausen mit Burg Katz und weiter im Hintergrund Burg Maus.

Sie sehen – bei dieser Landschaft der Sagen und Märchen gerate ich ins Schwärmen.

Ein Märchen aus alten Zeiten hat es mir schon lange besonders angetan und dazu geführt, dass ich zwar nicht als Kunstschaffender, aber als Sammler tätig wurde. Meine Sammlung von Loreley-Ansichtskarten umfasst den Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart und zeigt nicht nur wie sich das Sujet in dieser Zeitspanne änderte, sondern auch wie sich Tourismus, Kommerz, Mode, Werbung, Politik usw. der Loreley bemächtigten.

Im Zauber der Loreley

1. Einleitung

2. Die Loreley auf dem Felsen

3. Die Loreley in Serienkarten

4. Die zwanziger Jahre

5. Reklamekarten

6. Auch St. Goar wirbt mit der Loreley

7. Mit der Loreley wird Politik gemacht

8. Lokale Ereignisse

Bingen 2023

Die Termine für Bingen (Kunst-Raum-Bingen (KuRaBi)) sind folgende:

08.10.2023                  14:30 Uhr Monika Böss

                                    15:30 Uhr Alfred Rosen

15.10.2023                  14:30 Uhr Leona Riemann

                                    15:15 Uhr Margret Drees

                                    16:00 Uhr Walter Karbach

22.10.2023                  14:30 Uhr Christiane Ulmer-Leahey  

                                    15:30 Uhr Alfred Rosen

08.10.2023 14:30 Monika Böss L003

Monika Böss

Frau Böss beabsichtigt verschiedene Geschichten aus ihrem Fundus zu lesen. Alles unter dem Titel: „Erzählungen zum Rhein“. Es sind teilweise Kurzgeschichten wie die der Flößer. Aber auch Erzählungen zu Ereignissen, die mit ironischem Hintergrund typisch ins Rheinland gehören.

(Romanauszug)
Im milden Licht spiegelt sich vergangene Sommerpracht.
Blätter tanzen im Wind.
Über den Landungssteg am Rhein kommen um die Mittagsstunde nur wenige Leute. Eine Bäuerin schleppt einen Korb voll mit Äpfeln. Keuchend stellt sie ihre Last am Ufer ab. Aus schmalen Augen blickt sie zu dem Paar hin, das mit ihr auf dem Schiff von der Stadt herübergekommen ist.

Sie glaubt, die elegant gekleidete Frau zu kennen. Gewiss war sie ihr schon einmal begegnet. Auf dem Markt der Stadt? In den Gassen des Städtchens? Ihr Erinnern führt nicht weiter. Seufzend nimmt sie den Korb wieder auf und trottet noch eine Weile hinter dem Paar her.

08.10.2023 15:30 Uhr Alfred Rosen L001

Alfred Gregor Rosen wird in Bingen zur Lesung am 08. Oktober 2023 ab 15:30 Uhr sowohl aus „Kälte 1813“ wie auch aus „Böses Treibgut“ lesen.

Sein Premiere Roman „Der Tote im Spritzbassin“ erschien 2020. Noch im gleichen Jahr folgte der Roman „Böses Treibgut“. Sein jüngster Roman „Kälte 1813“ erschien 2023.

Der Roman „Kälte 1813“ erzählt von den Schicksalen jener Zeit am Mittelrhein, als verbündete Armeen das französisch besetzte Rheinland befreiten. Menschen mit großer Zivilcourage und leidgeprüfte Bürger stemmen sich gegen die Wirren von Krieg und drohender Anarchie.

In „Böses Treibgut“ überfallen im Frühjahr 1963 zwei maskierte Bankräuber eine kleine Bankfiliale in Mainz. Dass sie auf ungewöhnliche Art mit einem kleinen Ausflugsschiff über den Rhein entkamen, realisierte die Polizei viel zu spät. Auf der Flucht geraten beide in Streit und treiben hilflos auf die Sandbank einer Rheininsel bei Rheinkilometer 539 zu. Ein durchdachter Plan endet urplötzlich durch eine dumme Fahrlässigkeit. Auf der weiteren Flucht stellen sich immer wieder unkalkulierbare Handicaps in den Weg. Streit und Habsucht hinterlassen eine Spur von Gewalt und Tod.

15.10.2023 14:30 Uhr Leona Riemann L002

Leona Riemann liest aus dem Buch „Hunsrücker Band 1“ die Erzählung:

„Auf dem Weg zum Rhein“

Unterwegs mit dem Korbmacher nach Bacharach, 1803

„Mores, komm, auf geht‘s!“

Der schwere schwarze Hund erhob sich und schüttelte Laub und Erdbrocken aus dem dichten Pelz. Mit lang­samem Zungenschlag leckte er sich die letzten Brot­krumen vom Maul und blickte aus dunklen, geduldigen Augen seinen Herrn an. Eine kleinere, fuchsrote Hündin mit struppigem Fell erhob sich ebenfalls und betrachtete mit gesenktem Kopf, doch mit wachen Augen das Geschehen. Ihr Körper wies deutliche Narben und Spuren vergan­gener Misshandlung auf; quer über ihren Schädel zog sich ein Streifen weißer Haare, wie sie aus verletzter Haut und Narbengewebe wachsen.

Wortlos schirrte Johannes Pies, der Korbmacher, seinen Hund an die Deichsel des bis über seine eigene Größe hinaus schwankend mit Körben aller Art hochgestapelten Karrens. Er selbst stellte sich dem Hund zur Seite auf die andere Seite der Deichsel, die Fuchsrote ließ er laufen. Ein kurzes Tätscheln, dann stemmten sie sich gegen das Gewicht des Karrens, das sie trotz des geräuschvoll schleifenden Bremsholzes den steilen, unwegsamen Pfad zum Rhein hinabzudrücken schien. Mühsam hielt er den Hebel, aufgeregt flatterten drei Hähnchen, die er in kleinen Käfigen lose ganz oben auf dem Karren fixiert hatte und für die er sich guten Erlös erhoffte. Am Rhein gaben die Leute für ein Hähnchen schon mal einen Centime mehr als droben auf dem Hunsrück. Sein Freund Nikolaus Reinhardt, der Knopfmacher aus Miehlen, der die Tochter eines Gastwirts in Bacharach geheiratet hatte, hielt mindestens zehn oder zwölf Hühner hinter dem Haus, vielleicht sogar noch mehr. Regelmäßig Eier essen und hin und wieder ein Hähnchen verkaufen oder selbst essen zu können, dazu in einem festen Haus am Rhein zu wohnen, zwischen all den guten Bürgern – das erschien Johannes als der Inbegriff des Glücks. Er seufzte. Hatte Nikolaus es nicht besser getroffen als er selbst?

15.10.2023 15:15 Uhr MARGRET DREES L005

Margret Drees liest aus ihrem Buch: Die 7 Jungfrauen und das Traumwochenende eine moderne Version vom Mäuseturm

Leseprobe:

Doch so genau auch sämtliche Abflüge ins Auslandkontrolliert wurden, der Schuldige befand sich nirgends auf einer Passagierliste. Der war nämlich indes mit dem Motorboot seines Sohnes von Mainz aus rheinabwärts gefahren und hielt nach einer geeigneten Insel Ausschau. Als er den Mäuseturm im Rhein bei Bingen erblickte, erinnerte er sich an die Sage, die von dem grausamen Erzbischof Hatto erzählte, der auf der Flucht vor den Mäusen auf die Insel geflüchtet war.

Aber, dachte sich Herr Köpfle, damals ist nicht heute, und er legte unbemerkt an der Insel an. Er ging an Land, schaute sich die Insel und den Turm von allen Seiten an, und als er zurückkam, erblickte er …

15.10.2023 16:00 Uhr Walter Karbach L004

——————————

Walter Karbach liest aus seinem Buch: „Heinrich F. Lichtenstein – Mein Leben in Deutschland, vor und nach dem 30. Januar 1933,

Wer war Heinrich Lichtenstein?

Am 15. Dezember 1889 kam Heinrich Lichtenstein als viertes Kind von Karl Lichtenstein und seiner Frau Regina, geb. Mayer in Oberwesel zur Welt. Die Familie wohnte in einem Haus neben der Synagoge auf dem Schaarplatz. Der Vater betrieb einen Viehhandel und eine Metzgerei und bewirtschaftet auch einige Weinberge. Heinrich wuchs in Oberwesel auf, besuchte wie alle jüdischen Kinder die katholische Volksschule. Als Jugendlicher arbeitet er in den Schulferien begeistert beim Zimmermann Johann Kastor.

Nach seinem Schulabschluss wurde Heinrich von dem Binger Rabbiner Dr. Richard Grünfeld gedrängt, Lehrer zu werden. Er schildert seine Kindheit und Jugend in Oberwesel, seine Ausbildung zum Volksschullehrer im Großherzogtum Hessen, den Kriegsdienst an der Ost- und Westfront, seine 20-jährige Tätigkeit als Lehrer, das Anwachsen des NSDAP und des Antisemitismus bis 1933, die schrittweise Ausgrenzung und Entrechtung ab 1933 und die Novemberpogrome 1938, seine Verschleppung nach Buchenwald und das Überleben im Lager, schließlich 1939 die Flucht.

22.10.2023  14:30 und 15:30 Uhr Christiane Ulmer-Leahey  L006

Zauberhafte Geschichten aus dem Orient und Okzident

von Christiane Ulmer-Leahey 

Sie stand nun genau am Waldesrand, noch hatte sie gute Chancen unentdeckt
zu entkommen. Der Mann in Stiefeln trat näher an das Reh heran, es
versuchte wieder sich aufzurichten. Die Tür des Audis öffnete sich, auch die
Polizeibeamten traten jetzt auf den Plan. Mariella bemerkte auch hier die
Pistolen. Sie wusste, dass es in diesem ganzen Szenario für sie keine Freunde
gab. Sie machte die wenigen Schritte ins Dickicht, auf die knackenden Zweige
achtete sie nicht mehr …
Mal spannend, mal nachdenklich oder witzig sind die Erzählungen in diesem
neuesten Band von Christiane Ulmer-Leahey. Zauberhafte Geschichten
aus Orient und Okzident laden die Leser und Leserinnen ein, die agierenden
Personen ein Stück auf ihrem teils sehr abenteuerlichen Weg zu begleiten.
Zu Recht empört sich der Leser oder die Leserin über Ungerechtigkeiten, die
den Figuren widerfahren. Ob die Geschehnisse sich nun im kühlen Bergland
oder in heißen arabischen Ländern ereignen, oft sind es Frauen, denen übel
mitgespielt wird und sie wehren sich mutig, mal mit mehr und mal mit weniger
Erfolg. Zuweilen wähnt sich der Leser oder die Leserin in einem Krimi,
in dem es um Leben und Tod geht. Und dann entführen die Erzählungen ins
Land von 1001 Nacht, aus dem es Neues, aber nicht weniger Fantastisches
zu berichten gibt. Am Ende fällt es schwer, sich von den Personen und den
Orten zu verabschieden. Was bleibt, ist eine diffuse, schwer zu beschreibende
Stimmung, hervorgerufen durch die extremen Unterschiede der Schauplätze
sowie die gewonnenen Einsichten in die Abgründe und Potentiale des
menschlichen Wesens. Es mag den Leser oder die Leserin auch eine eigentümlichen
Reiselust überkommen, die Länder und Gegenden, in denen die
Geschichten spielen, aufzusuchen. In den Erzählungen gesellt sich zu dem
Fantastischen ein Realismus, der den Lesern klarmacht, dass, wenn die Dinge
auch vielleicht nicht genauso gewesen sind, wie sie hier geschildert werden,
sie doch so oder so ähnlich hätten geschehen können.
Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Hunsrück-Museum und Bibliothek im Neuen Schloss Simmern

Die Termine für Simmern sind folgende:

Bibliothek im Neuen Schloss Zum Zeitpunkt der Drucklegung unserer Sonderbroschüre stand der Termin für die Veranstaltung leider noch nicht fest. Bitte informieren Sie sich unter folgendem Link: Herr Störmer – Der Lesemann LINK https://rheinromantik.org/2023/08/26/herr-stoermer-der-lesemann oder wenden Sie sich direkt an die Bibliothek im Neuen Schloss Schlossplatz 4
55469 Simmern / Hunsrück / Telefon: +49 6761 7148

Hunsrück-Museum Simmern:

18.01.2024 Donnerstags im Hunsrück-Museum Simmern:

  • Leona Riemann: 19:00 Uhr
  • Margret Drees: 20 Uhr

22.02.2024 Donnerstags im Hunsrück-Museum Simmern:

  • Christiane Ulmer-Leahey: 19:00 Uhr
  • Alfred Rosen: 20:00 Uhr


Bibliothek im Neuen Schloss / Zum Zeitpunkt der Drucklegung unserer Sonderbroschüre stand der Termin für die Veranstaltung leider noch nicht fest. Bitte informieren Sie sich unter folgendem Link: Herr Störmer – Der Lesemann LINK https://rheinromantik.org/2023/08/26/herr-stoermer-der-lesemann/

Mit einer Leidenschaft für das geschriebene Wort und einer besonderen Hingabe für Kinder hat sich Herr Störmer als „DER LESEMANN“ einen Namen gemacht. Über die Jahre hat er eine Vielzahl von Aktivitäten entwickelt, die das Vorlesen und die Literaturförderung für Kinder in den Mittelpunkt stellen. Seine Website der-lesemann.de ist ein Zeugnis seiner Arbeit und bietet eine Sammlung von Berichten, Empfehlungen und Kommentaren, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben.

Neben seiner Tätigkeit als Vorleser hat Herr Störmer auch als Autor gewirkt und das Kinderbuch „Der Pfannkuchenmann“ veröffentlicht. Dieses Buch hat so viel Anklang gefunden, dass es aufgrund der Nachfrage erneut gedruckt wurde.

Doch nicht nur das Schreiben und Vorlesen prägen den Weg des Lesemanns. Er teilt auch wertvolle Tipps und Tricks rund um das Thema Lesen und stellt Lieblingsbücher vor, die ihn im Laufe seiner Karriere beeindruckt haben. Zudem gibt es auf seiner Website eine besondere Rubrik für Märchen, die er als wichtiges Kulturgut betrachtet.

Herr Störmer ist nicht nur ein Botschafter der Literatur, sondern auch ein engagierter Pädagoge, der stets das Wohl der Kinder im Blick hat. Seine Arbeit wird von vielen geschätzt, wie zahlreiche Rückmeldungen und Kommentare auf seiner Website bezeugen.

Entdecken Sie die Welt des Lesemanns und lassen Sie sich von seiner Passion für Bücher und Geschichten inspirieren!

 

18.01.2024 Donnerstags im Hunsrück-Museum Simmern Leona Riemann: 19 Uhr

Leona Riemann liest aus dem Buch „Hunsrücker Band 1“ die Erzählung:

„Auf dem Weg zum Rhein“

Unterwegs mit dem Korbmacher nach Bacharach, 1803

„Mores, komm, auf geht‘s!“

Der schwere schwarze Hund erhob sich und schüttelte Laub und Erdbrocken aus dem dichten Pelz. Mit lang­samem Zungenschlag leckte er sich die letzten Brot­krumen vom Maul und blickte aus dunklen, geduldigen Augen seinen Herrn an. Eine kleinere, fuchsrote Hündin mit struppigem Fell erhob sich ebenfalls und betrachtete mit gesenktem Kopf, doch mit wachen Augen das Geschehen. Ihr Körper wies deutliche Narben und Spuren vergan­gener Misshandlung auf; quer über ihren Schädel zog sich ein Streifen weißer Haare, wie sie aus verletzter Haut und Narbengewebe wachsen.

Wortlos schirrte Johannes Pies, der Korbmacher, seinen Hund an die Deichsel des bis über seine eigene Größe hinaus schwankend mit Körben aller Art hochgestapelten Karrens. Er selbst stellte sich dem Hund zur Seite auf die andere Seite der Deichsel, die Fuchsrote ließ er laufen. Ein kurzes Tätscheln, dann stemmten sie sich gegen das Gewicht des Karrens, das sie trotz des geräuschvoll schleifenden Bremsholzes den steilen, unwegsamen Pfad zum Rhein hinabzudrücken schien. Mühsam hielt er den Hebel, aufgeregt flatterten drei Hähnchen, die er in kleinen Käfigen lose ganz oben auf dem Karren fixiert hatte und für die er sich guten Erlös erhoffte. Am Rhein gaben die Leute für ein Hähnchen schon mal einen Centime mehr als droben auf dem Hunsrück. Sein Freund Nikolaus Reinhardt, der Knopfmacher aus Miehlen, der die Tochter eines Gastwirts in Bacharach geheiratet hatte, hielt mindestens zehn oder zwölf Hühner hinter dem Haus, vielleicht sogar noch mehr. Regelmäßig Eier essen und hin und wieder ein Hähnchen verkaufen oder selbst essen zu können, dazu in einem festen Haus am Rhein zu wohnen, zwischen all den guten Bürgern – das erschien Johannes als der Inbegriff des Glücks. Er seufzte. Hatte Nikolaus es nicht besser


             

18.01.2024 Donnerstags im Hunsrück-Museum Simmern: Margret Drees: 20 Uhr

Margret Drees liest aus ihrem Buch: Die 7 Jungfrauen und das Traumwochenende eine moderne Version vom Mäuseturm

Leseprobe:

Doch so genau auch sämtliche Abflüge ins Auslandkontrolliert wurden, der Schuldige befand sich nirgends auf einer Passagierliste. Der war nämlich indes mit dem Motorboot seines Sohnes von Mainz aus rheinabwärts gefahren und hielt nach einer geeigneten Insel Ausschau. Als er den Mäuseturm im Rhein bei Bingen erblickte, erinnerte er sich an die Sage, die von dem grausamen Erzbischof Hatto erzählte, der auf der Flucht vor den Mäusen auf die Insel geflüchtet war.

Aber, dachte sich Herr Köpfle, damals ist nicht heute, und er legte unbemerkt an der Insel an. Er ging an Land, schaute sich die Insel und den Turm von allen Seiten an, und als er zurückkam, erblickte er …

22.02.2024 Donnerstags im Hunsrück-Museum Simmern: Christiane Ulmer-Leahey: 19:00 Uhr

Zauberhafte Geschichten aus dem Orient und Okzident

von Christiane Ulmer-Leahey 

Sie stand nun genau am Waldesrand, noch hatte sie gute Chancen unentdeckt
zu entkommen. Der Mann in Stiefeln trat näher an das Reh heran, es
versuchte wieder sich aufzurichten. Die Tür des Audis öffnete sich, auch die
Polizeibeamten traten jetzt auf den Plan. Mariella bemerkte auch hier die
Pistolen. Sie wusste, dass es in diesem ganzen Szenario für sie keine Freunde
gab. Sie machte die wenigen Schritte ins Dickicht, auf die knackenden Zweige
achtete sie nicht mehr …
Mal spannend, mal nachdenklich oder witzig sind die Erzählungen in diesem
neuesten Band von Christiane Ulmer-Leahey. Zauberhafte Geschichten
aus Orient und Okzident laden die Leser und Leserinnen ein, die agierenden
Personen ein Stück auf ihrem teils sehr abenteuerlichen Weg zu begleiten.
Zu Recht empört sich der Leser oder die Leserin über Ungerechtigkeiten, die
den Figuren widerfahren. Ob die Geschehnisse sich nun im kühlen Bergland
oder in heißen arabischen Ländern ereignen, oft sind es Frauen, denen übel
mitgespielt wird und sie wehren sich mutig, mal mit mehr und mal mit weniger
Erfolg. Zuweilen wähnt sich der Leser oder die Leserin in einem Krimi,
in dem es um Leben und Tod geht. Und dann entführen die Erzählungen ins
Land von 1001 Nacht, aus dem es Neues, aber nicht weniger Fantastisches
zu berichten gibt. Am Ende fällt es schwer, sich von den Personen und den
Orten zu verabschieden. Was bleibt, ist eine diffuse, schwer zu beschreibende
Stimmung, hervorgerufen durch die extremen Unterschiede der Schauplätze
sowie die gewonnenen Einsichten in die Abgründe und Potentiale des
menschlichen Wesens. Es mag den Leser oder die Leserin auch eine eigentümlichen
Reiselust überkommen, die Länder und Gegenden, in denen die
Geschichten spielen, aufzusuchen. In den Erzählungen gesellt sich zu dem
Fantastischen ein Realismus, der den Lesern klarmacht, dass, wenn die Dinge
auch vielleicht nicht genauso gewesen sind, wie sie hier geschildert werden,
sie doch so oder so ähnlich hätten geschehen können.
Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.

22.02.2024 Donnerstags im Hunsrück-Museum Simmern: Alfred Rosen: 20:00 Uhr

Alfred Gregor Rosen wird in Bingen zur Lesung am 08. Oktober 2023 ab 15:30 Uhr sowohl aus „Kälte 1813“ wie auch aus „Böses Treibgut“ lesen.

Sein Premiere Roman „Der Tote im Spritzbassin“ erschien 2020. Noch im gleichen Jahr folgte der Roman „Böses Treibgut“. Sein jüngster Roman „Kälte 1813“ erschien 2023.

Der Roman „Kälte 1813“ erzählt von den Schicksalen jener Zeit am Mittelrhein, als verbündete Armeen das französisch besetzte Rheinland befreiten. Menschen mit großer Zivilcourage und leidgeprüfte Bürger stemmen sich gegen die Wirren von Krieg und drohender Anarchie.

In „Böses Treibgut“ überfallen im Frühjahr 1963 zwei maskierte Bankräuber eine kleine Bankfiliale in Mainz. Dass sie auf ungewöhnliche Art mit einem kleinen Ausflugsschiff über den Rhein entkamen, realisierte die Polizei viel zu spät. Auf der Flucht geraten beide in Streit und treiben hilflos auf die Sandbank einer Rheininsel bei Rheinkilometer 539 zu. Ein durchdachter Plan endet urplötzlich durch eine dumme Fahrlässigkeit. Auf der weiteren Flucht stellen sich immer wieder unkalkulierbare Handicaps in den Weg. Streit und Habsucht hinterlassen eine Spur von Gewalt und Tod.

Galerie Stadtmühle / St. Goarshausen ( in Planung für Mai 2024)


Auf der Startseite „Ausstellung“ (https://rheinromantik.org/unsere-ausstellung/) finden Sie weitere Programmpunkte. Bitte scrollen Sie auf dieser Seite ein wenig nach unten. Dort finden Sie die Überschrift: Galerie Stadtmühle / St. Goarshausen (Samstag, 25. Mai 2024 bis Sonntag, 23. Juni 2024)

Lesungen: Sonntag, 2. Juni 2024 um 15 Uhr (Pfingstsonntag);
Lesungen: Sonntag, 9. Juni 2024 um 15 Uhr;
Lesungen: Sonntag, 16. Juni 2024 um 15 Uhr

Karl Josef Perscheid, ein leidenschaftlicher Sammler und Kenner der Geschichte, wird im Rahmen von RHEIN!ROMANTIK? seine beeindruckende Kollektion historischer Postkarten präsentieren. Diese einzigartige Sammlung, sorgfältig über Jahre hinweg zusammengestellt, bietet einen faszinierenden Einblick in vergangene Zeiten und die Romantik des Rheins. Der Vortrag wird nicht nur Nostalgiker begeistern, sondern auch all jene, die die kulturelle Essenz dieser malerischen Region erkunden möchten. Es ist eine Einladung, auf den Spuren der Vergangenheit zu wandeln und die zeitlose Schönheit des Rheintals neu zu entdecken.

Das Buch „Gemeinsinn und Kreativität: Geschichten vom Mittelrhein und der Lahn“ von Prof. Dieter Kramer ist kein Geschichtsbuch im traditionellen Sinne, sondern ein Geschichtenbuch. Hier ist eine kurze Zusammenfassung:

  • Die Geschichten in diesem Buch beziehen sich auf die Region des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal und auch auf die Region der Bundesgartenschau 2029.
  • Die Erzählungen haben alle einen Bezug zur Geschichte des Alltagslebens und der Demokratie, zum Gemeinschaftsleben in der Region und zum Bestreben, in einem friedlichen Miteinander Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit zu gewinnen und zu sichern.
  • Es wird deutlich, wie Lokalgeschichte und Weltgeschichte, Vergangenheit und eigene Gegenwart miteinander verknüpft sind.
  • Durch die Geschichten entsteht eine Verbindung zur Region und ein Gefühl der (Mit-)Verantwortung.
  • Es wird an die Vielfalt und den Reichtum erinnert, den die Region in Bezug auf Möglichkeiten für ein Leben in einer nachhaltigen Zukunft bietet.
  • Der Rhein dient als verbindendes Element in den Geschichten. Die meisten Geschichten beziehen sich auf das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Nassau, aber auch die angrenzenden linksrheinischen Regionen sind einbezogen.

Bacharach

Ankündigung Lesung „Mein Rhein: Zwei Zugezogene erzählen“ (11.8.2024 in Bacharach)

Unser beider Rhein, der gemeinsame Rhein, begleitet unser Leben nun schon seit fast fünfundzwanzig Jahren. Damals kamen mein Mann (Frankfurt) und ich (Berlin) überein, unsere gegenseitigen Besuche in unseren jeweiligen Zwei-Zimmer-Wohnungen mit dem Kauf eines Ferienhauses zu erweitern. Ein paar Jahre später führte eine berufliche Veränderung dazu, dass ich Berlin verließ und wir aus dem Ferienhaus unseren Hauptwohnsitz machten.  Seitdem wohnen wir in einem Dorf oberhalb von Kaub, und seitdem haben wir auch unsere je eigene Annäherung an den Rhein gesucht.

Dieter Kramer:  Dass wir bei unserer Suche nach einem gemeinsamen Domizil überhaupt auf den Mittelrhein verfielen, hängt nicht zuletzt mit Dieter Kramers Familie zusammen. Er selbst wurde in Rüsselsheim geboren und ist dort auch aufgewachsen, aber beide Herkunftsfamilien (Nastätten und Zorn) lockten ihn in den Schulferien immer wieder in die Gegend. Als Kulturwissenschaftler und Volkskundler beschäftigt er sich heute bevorzugt mit Formen sozialer Gemeinschaft und gemeinschaftlichen Handelns, die am Mittelrhein einst so vital waren und sich auch im Werk herausragender Persönlichkeiten (Reformer, Literaten, Künstler am Mittelrhein) vor allem des 19. Jahrhunderts gespiegelt finden. Aus dieser Arbeit ist ein Buch (Gemeinsinn und Kreativität, Imprimatur 2022) hervorgegangen, das sich bewusst eher auf die Geschichten Einzelner und ihrer Gemeinschaften als auf eine Gesamtgeschichte des Mittelrheintals konzentriert und nach Wegen sucht, demokratische Traditionen für das 21. Jahrhundert erfahr- und erlebbar zu machen.

Susanne Enderwitz: Ein Aufwachsen in Frankfurt zieht nicht notwendig eine Vertrautheit mit dem Rhein nach sich, und so orientierte man sich bei den Enderwitz‘schen Familienausflügen vor allem an den Wurzeln der Mutter in Oberhessen. Studium und Arbeit in Berlin rückten für die nächsten dreißig Jahre den Rhein noch weiter in die Ferne; erst ein Ruf an die Universität Heidelberg und das Pendeln zwischen Arbeit und Wahlheimat schärften den Blick für die Rheinkultur und die Romantik.  Die Perspektive erwuchs dabei aus dem Beruf: Als Orientalistin fiel mir auf, wie lokal verengt unser hiesiges Verständnis der Romantik ist, wie wenig ihr weltumarmend-weltverändernder Impetus im Gedächtnis geblieben ist und wie vergessen die geschwisterlich engen Bezüge zwischen Rhein- und Orientromantik sind. Deshalb bemühe ich mich seit einiger Zeit, diesen versunkenen Schatz wieder ans Tageslicht zu bringen, spüre aber auch über die Romantik hinaus seiner Wandlung vom universalistischen Edelmetall ins eurozentrische Katzengold (z.B. Karl May) nach.

Leseprobe

Hannes ließ sich von dem kleinen Geplänkel zwischen Vater und Tochter nicht irritieren. „Der Klausfelsen“, sagte er und zeigte auf einen Grat, der weit wie eine Bastion aus dem gegenüberliegenden Bergzug hervorsprang und dessen steile Bergnase in die Nahe hineinragte. Die Straße hinter dem Fluss verlief in einem Tunnel durch den Fels.

„Man nennt ihn auch die Nahe-Loreley.“

Ob es nun Hannes‘ bestimmte Art war, Höflichkeit oder die Neugier beim Namen der Sagenfigur, auf jeden Fall kamen alle drei an den Abgrund und schauten hinüber auf den Felsen.

„Hat da auch einmal eine flotte Blondine gesessen, ihr Haar gekämmt und verführerische Lieder gesungen?“, fragte Gerd mit leichtem Spott.

„Nein, nein“, lachte Hannes. „Keine singende Schönheit. Nahe-Loreley heißt der Felsen, weil er wirklich imposant ist, besonders wenn man unten vom Naheufer aus zu ihm hochschaut. Aber eine Legende gibt es auch dazu. Und so ganz ohne schöne Jungfern funktioniert offenbar keine Legende, so eine gibt es auch zum Klausfels.“

„Na, dann legen Sie mal los“, ermunterte Julia ihn. „Ich bin schon ganz neugierig.“

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Das Buch „Gemeinsinn und Kreativität: Geschichten vom Mittelrhein und der Lahn“ von Prof. Dieter Kramer ist kein Geschichtsbuch im traditionellen Sinne, sondern ein Geschichtenbuch. Hier ist eine kurze Zusammenfassung:

  • Die Geschichten in diesem Buch beziehen sich auf die Region des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal und auch auf die Region der Bundesgartenschau 2029.
  • Die Erzählungen haben alle einen Bezug zur Geschichte des Alltagslebens und der Demokratie, zum Gemeinschaftsleben in der Region und zum Bestreben, in einem friedlichen Miteinander Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit zu gewinnen und zu sichern.
  • Es wird deutlich, wie Lokalgeschichte und Weltgeschichte, Vergangenheit und eigene Gegenwart miteinander verknüpft sind.
  • Durch die Geschichten entsteht eine Verbindung zur Region und ein Gefühl der (Mit-)Verantwortung.
  • Es wird an die Vielfalt und den Reichtum erinnert, den die Region in Bezug auf Möglichkeiten für ein Leben in einer nachhaltigen Zukunft bietet.
  • Der Rhein dient als verbindendes Element in den Geschichten. Die meisten Geschichten beziehen sich auf das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Nassau, aber auch die angrenzenden linksrheinischen Regionen sind einbezogen.

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