Ziel


„Sprich aus der Ferne, heimliche Welt …“ *

* Brentanos Zeile steht sinnbildlich für das, was auch RHEIN!ROMANTIK? bewegt: den Versuch, die leisen Stimmen einer vergangenen, fast vergessenen Welt wieder hörbar zu machen – nicht laut, sondern wie ein fernes Echo, das in uns nachklingt.

Die „Ferne“ meint hier nicht geografische Distanz, sondern die zeitliche und seelische Entfernung zwischen der Romantik und unserer Gegenwart. Die „heimliche Welt“ ist das Unsichtbare, das nur spürbar bleibt – Erinnerungen, Stimmungen, Träume, Bilder, die sich tief in unser kollektives Bewusstsein eingeschrieben haben.

So verstanden, ruft Brentanos Zeile auch uns auf, aufmerksam zu werden für jene verborgenen Resonanzen, die der Rhein in uns auslöst – und sie in neuen Formen weiterzugeben: in Bildern, Texten und Gedanken, die Brücken schlagen zwischen Vergangenheit und Jetzt.

Der Begriff „romantisch“ ist älter als die Epoche der Romantik. Er leitet sich von den mittelalterlichen „Romanen“ ab und bezeichnete ursprünglich etwas Märchenhaftes, Abenteuerliches oder Unwirkliches. Noch im 17. und frühen 18. Jahrhundert wurde „romantisch“ oft eher abwertend verwendet – im Sinne von schwärmerisch, wirklichkeitsfern oder übertrieben phantasievoll.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Bedeutung. Dichter und Künstler wie Novalis, Tieck, Brentano oder die Brüder Schlegel machten das Romantische zum Programm einer neuen Kunst- und Lebensauffassung. Aus dem Adjektiv „romantisch“ entstand die Epoche der „Romantik“.

Die Romantik erfand das romantische Gefühl also nicht. Sie gab Empfindungen wie Sehnsucht, Fernweh, Erinnerung, Naturverbundenheit und die Faszination für das Vergangene erstmals einen Namen und machte sie zum Mittelpunkt ihrer Kunst.

Über zwei Jahrhunderte hinweg haben Menschen den Rhein immer wieder betrachtet, beschrieben, gemalt, fotografiert und besungen. Die Bilder änderten sich. Die Gesellschaft änderte sich. Der Fluss änderte sich. Und doch scheint etwas geblieben zu sein, das uns bis heute veranlasst, auf diesen Landschaftsraum zu reagieren.

Unser Ziel

Wir suchen die Romantik – und bewegen uns dabei zwischen Bewahren und Suche, zwischen Ausrufezeichen und Fragezeichen, zwischen Affirmation und Infragestellen.

Wir interessieren uns dafür, was von den tradierten Bildern und Vorstellungen der Romantik heute noch in uns wirkt – auch dort, wo wir glauben, ganz gegenwärtig zu sein.

Für einen geologisch winzigen, aber menschlich bedeutsamen Augenblick – über einen Zeitraum von mehr als acht Jahren – richten wir unseren Blick auf den Rhein.

Wir beschreiben, malen, fotografieren und formen das Gesehene – die Geschichte und die Geschichten – und dokumentieren so das Geschehen zwischen Gewissheit und Zweifel, Erinnerung und Gegenwart.

Unser Anliegen ist es, diese vielfältigen Sichtweisen sichtbar zu machen, festzuhalten und mit anderen zu teilen.

Heute geschieht dies in Ausstellungen und Jahreskatalogen, später auch in Form dieses vertexteten Bildbandes.

Unser Ziel ist es, ein Rheinbild unserer Zeit zu bewahren: den Rhein als Landschaft, als Symbol, als Lebensraum und als Ort der Begegnung.

Wir möchten unsere Eindrücke und Erfahrungen als kulturelles Zeugnis weitergeben – wie einen Staffelstab an die nächste Generation von Rheinbewohnerinnen und Rheinbewohnern.

Vielleicht werden auch sie eines Tages ihre eigenen Gedanken, Bilder und Geschichten sammeln und fortführen, was wir begonnen haben – offen, uneigennützig und im gemeinsamen Dialog.

Unser Weg

Unser Weg führt uns zu vielen historisch und kulturell bedeutsamen Orten – zu Burgen, Schlössern, Profanbauten, aber auch zu öffentlichen Zentren wie dem Löhr-Center oder der Seilbahn in Koblenz. Wir zeigen uns an historischen ebenso wie an zeitgenössischen Orten und wandern so – von Ausstellung zu Ausstellung – entlang des Rheins. Dabei bleiben wir stets zwischen Fragezeichen (?) und Ausrufezeichen (!), zwischen romantischer Fassade und ökologischer Realität, zwischen den touristischen Verlockungen vergangener Zeiten und den wirtschaftlichen Interessen der Gegenwart.
So entsteht ein lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit und Jetztzeit, zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit – zwischen dem, was der Rhein war, und dem, was er heute ist.

Unsere Vision

Die Rheinromantik ist ein facettenreiches kulturelles Phänomen, das historische, künstlerische und gesellschaftliche Dimensionen miteinander verbindet.
Mit RHEIN!ROMANTIK? möchten wir diese Vielfalt sichtbar machen und einem breiten Publikum näherbringen. Dabei hinterfragen wir ihre heutige Bedeutung und setzen sie in Beziehung zu aktuellen Themen – etwa Identität, Landschaftswahrnehmung und Tourismus.

Unsere Geschichte

Seit der Projektgründung 2018–2020 – die erste Ausstellung fand 2021 statt – präsentieren wir unsere Arbeiten an verschiedenen Orten entlang des Mittelrheins.
Die Beteiligten und Werke wechseln, doch das gemeinsame Ziel bleibt: den Rhein als kulturellen Raum immer neu zu interpretieren.

Inzwischen haben sich über 99 Kunstschaffende – von der Amateurin bis zum Profi – der Initiative angeschlossen und tragen mit ihren Arbeiten zu einem lebendigen Austausch über Vergangenheit und Gegenwart des Rheins bei.

Unsere Ausstellungen zeigen eine große Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen – von Malerei und Fotografie über Skulptur bis hin zu Objekten und literarischen Arbeiten.
Im Mittelpunkt steht stets die Frage, wie sich romantische Stimmungen und Sichtweisen in unserer Zeit neu beleben, deuten und kritisch hinterfragen lassen.

Die Bedeutung des Rheins

Der Rhein – besonders der Abschnitt zwischen Bingen und Koblenz – war im 18. und 19. Jahrhundert ein Sinnbild der Romantik. Mit RHEIN!ROMANTIK? greifen wir diesen historischen Zusammenhang auf, beleuchten den Wandel des Flusses und suchen nach neuen, heutigen Formen der Romantik. So wird der Rhein erneut zum Spiegel unserer Zeit – zwischen Erinnerung und Gegenwart, Naturerlebnis und kulturellem Symbol.

Machen Sie mit!

RHEIN!ROMANTIK? lebt vom Mitmachen. Künstlerinnen und Künstler, Schreibende, Musikerinnen, Tänzer oder einfach Menschen, die sich vom Rhein inspirieren lassen, sind eingeladen, Teil dieses Projekts zu werden – mit Bildern, Texten oder Ideen, die zeigen, was der Rhein heute bedeutet.

Wir suchen ständig neue Perspektiven und Stimmen. Egal, ob professionell oder autodidaktisch, ob malerisch, musikalisch oder literarisch – jede Form des künstlerischen Ausdrucks bereichert das Projekt. Gemeinsam können wir RHEIN!ROMANTIK? weiterentwickeln und bis 2029 an vielen Orten entlang des Rheins sichtbar machen.

Kontakt

Wenn Sie Teil dieser Bewegung werden möchten, schreiben Sie uns. Senden Sie uns dazu einfach eine kurze Vorstellung sowie – wenn vorhanden – ein paar Fotos Ihrer Werke per E-Mail. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Abschließende Gedanken

Ist RHEIN!ROMANTIK? nur ein Projekt – oder vielleicht doch mehr als eine romantische Idee?
Wir laden Sie ein, es selbst herauszufinden:
sich einzulassen auf die Bilder, Texte und Begegnungen – und sich von unserer gemeinsamen Vision inspirieren zu lassen.

Ein Kommentar zu “Ziel”

  1. Die Rheinromantik begleitet mich schon von Kindheit an durch seine Geschichten, seine Literatur und seine Musik vor allem auch die Landschaft des Rheines. Seit nunmehr fast 5Jahrzehnten lebe ich mit meiner Familie im Rheingau und viele Ausflüge führen immer wieder ins Mittelrheintal. Seit 2005 bin ich der Malerei verhaftet und habe mich seit einiger Zeit auch der Landschaftsmalerei angenähert.

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