Rückblick 2026


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Ein zweiter Blick


Lorch – Zwischen Fluss, Handel und Erinnerung

Mit der Ausstellung im Hilchenhaus und im Robert-Struppmann-Museum erreichte RHEIN!ROMANTIK? 2026 einen zentralen Punkt seines Ausstellungsjahres. Die Verbindung von Renaissancearchitektur und Museum schuf einen besonderen Rahmen für die Präsentation von rund 70 Originalarbeiten.

Lorch verdankt seine Bedeutung jedoch nicht allein seiner reizvollen Lage am Rhein. Über Jahrhunderte war der Ort Teil eines wichtigen Verkehrs- und Handelsraumes. Die Nähe zum Binger Loch machte diesen Abschnitt des Flusses zu einer wirtschaftlich bedeutenden Engstelle. Weinhandel, Schifffahrt und Warenverkehr prägten die Region ebenso wie ihre landschaftliche Schönheit. Der Rhein erscheint hier nicht nur als romantische Kulisse, sondern auch als Lebensader und Wirtschaftsraum.

Hilchenhaus, Lorch

Das Hilchenhaus in Lorch zählt zu den bedeutendsten Renaissancebauten im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Zwischen 1546 und 1548 für den Reichsfeldmarschall Johann Hilchen von Lorch errichtet, prägt es mit seiner markanten Fassade bis heute das Stadtbild. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten konnte das Gebäude als kultureller Ort wiederbelebt werden.

Für RHEIN!ROMANTIK? war das Hilchenhaus 2026 ein besonders passender Ausstellungsort. Das historische Gebäude steht einerseits für jene kulturelle Tradition und Bilderwelt, aus der die klassische Rheinromantik hervorgegangen ist. Andererseits bot es Raum für zeitgenössische künstlerische Positionen, die diese Vorstellungen hinterfragen, erweitern oder bewusst mit ihnen in Dialog treten.

So wurde das Hilchenhaus selbst Teil des Konzepts von RHEIN!ROMANTIK?: ein Ort zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Bewunderung und Reflexion. Gerade in der Verbindung von historischer Architektur und zeitgenössischer Kunst wurde die Spannung zwischen dem Ausrufezeichen und dem Fragezeichen des Projekttitels besonders sichtbar.


Brentanohaus – Romantik und Wirklichkeit

Das Brentanohaus in Oestrich-Winkel gehört zu den bedeutenden Erinnerungsorten der Rheinromantik. Das Haus wurde 1751 erbaut und 1804 von der Frankfurter Kaufmannsfamilie Brentano als Sommersitz erworben. Später hielten sich dort unter anderem Goethe, die Brüder Grimm und Freiherr vom Stein auf.

Als Ausstellungsort stellte das Brentanohaus eine direkte Verbindung zwischen der historischen Rheinromantik und den zeitgenössischen Positionen von RHEIN!ROMANTIK? her. Zugleich verweist es auf die wirtschaftlichen Voraussetzungen kultureller Entwicklung. Aus dem Wohlstand einer Kaufmannsfamilie entstand ein Ort literarischer Begegnung. Kultur und Romantik erscheinen hier nicht losgelöst von der Wirklichkeit, sondern auf ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fundament.


Burg Gutenfels – Der Rhein als Macht- und Verkehrsraum

Hoch über Kaub prägt Burg Gutenfels bis heute das Bild des Mittelrheintals. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert errichtet und gilt als gut erhaltenes Beispiel staufischer Burgenarchitektur. Ihre Lage über dem Rhein macht sie heute zu einem eindrucksvollen Bestandteil der romantischen Rheinlandschaft.

Ihre ursprüngliche Funktion war jedoch weit weniger romantisch. Burg Gutenfels stand in engem Zusammenhang mit der Sicherung des Rheinzolls und der Kontrolle des Verkehrs auf dem Fluss. Gemeinsam mit der im Rhein gelegenen Pfalzgrafenstein verweist sie auf eine Zeit, in der der Rhein nicht nur Landschaft, sondern Einnahmequelle, Machtinstrument und Verkehrsader war. Was heute als romantische Burg erscheint, war ursprünglich Teil eines Systems aus Herrschaft, Zoll und wirtschaftlicher Kontrolle.

Auch die spätere Geschichte passt zum „zweiten Blick“: Nach Verfall und drohendem Abbruch wurde die Burg im 19. Jahrhundert im Zuge der Burgenrenaissance wiederhergestellt. Damit wurde aus einem mittelalterlichen Machtort erneut ein Erinnerungsbild der Rheinromantik.


Historisches Rathaus Andernach

Mit der Ausstellung im Historischen Rathaus Andernach erreichte RHEIN!ROMANTIK? einen weiteren bedeutenden historischen Ausstellungsort am Mittelrhein. Die historischen Räume boten einen stimmungsvollen Rahmen für rund 70 Werke aus Malerei, Fotografie, Skulptur und Text, die den Rhein aus unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven beleuchteten.

Da Oberbürgermeister Christian Greiner und der Erste Beigeordnete Claus Peitz terminlich verhindert waren, überbrachte Hildegard Zschiche, Zweite Beigeordnete der Stadt Andernach, das Grußwort der Stadt und eröffnete die Ausstellung offiziell. Ein literarischer Impuls von Hans Jürgen Balmes, Beiträge der Schreibwerkstatt sowie die musikalische Begleitung von Harald Mebus unterstrichen den interdisziplinären Charakter des Projekts.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Andernach war ausgesprochen engagiert und partnerschaftlich. Unser besonderer Dank gilt Hildegard Zschiche, Annika Sarrazin und Maximilian Weidenbach sowie allen weiteren Beteiligten, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben.

Die Besucherresonanz war erfreulich. Eine vollständige Erfassung der Besucherzahlen war jedoch nicht möglich, da Rathaus, Stadtbibliothek und Ausstellung einen gemeinsamen Eingangsbereich nutzten. Erfasst wurden daher in erster Linie die Besucherinnen und Besucher, die die Ausstellung freitags bis sonntags gezielt über den Nebeneingang besuchten.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen entwickelte sich die Ausstellung zu einer erfolgreichen Station von RHEIN!ROMANTIK? und zeigte erneut, wie gut historische Orte und zeitgenössische Kunst miteinander in Dialog treten können.

Schloss Namedy – Wandel eines Herrschaftsortes

Schloss Namedy verbindet historische Architektur mit einer lebendigen kulturellen Nutzung. Als Ausstellungsort bot es einen Rahmen, in dem Gegenwartskunst auf Geschichte traf und unterschiedliche Zeitschichten miteinander in Dialog traten.

Die Ausstellung von RHEIN!ROMANTIK? wurde dabei nicht im Schloss selbst, sondern in der räumlich getrennten Vorburg präsentiert. Gerade diese Verbindung von historischem Ensemble und heutiger Nutzung verlieh dem Ausstellungsort einen besonderen Charakter.

Das Schloss entstand als Adelssitz und war über lange Zeit Ausdruck von Besitz, Einfluss und gesellschaftlicher Stellung. Heute hat sich seine Funktion grundlegend gewandelt. Aus einem Ort der Repräsentation wurde ein Ort kultureller Begegnung. Der Wandel des Schlosses spiegelt damit auch den Wandel vieler historischer Orte entlang des Rheins wider.

Schloss Namedy zeigt beispielhaft, wie historische Herrschaftsorte ihre Bedeutung verändern können. Wo einst Adel und Repräsentation im Mittelpunkt standen, prägen heute Konzerte, Ausstellungen und kulturelle Begegnungen das Bild. Gerade darin wird sichtbar, wie sich auch die Vorstellungen vom Rhein und von seiner Geschichte im Laufe der Zeit gewandelt haben.

MS Rheingau – Kunst auf dem Fluss

Die Ausstellung auf der MS Rheingau nahm innerhalb des Ausstellungsjahres eine besondere Stellung ein. Anders als alle anderen Ausstellungsorte befand sie sich nicht am Rhein, sondern auf ihm. Der Fluss wurde damit selbst Teil der Ausstellung.

Der Rhein erscheint hier nicht nur als Motiv, sondern als bewegter Raum. Über Jahrhunderte verband er Regionen, Menschen und Wirtschaftsräume miteinander. Heute prägen Tourismus und Freizeit das Bild vieler Schiffe auf dem Fluss. Die MS Rheingau verbindet beide Perspektiven und erinnert daran, dass der Rhein zugleich Naturraum, Verkehrsweg, Arbeitswelt und kulturelle Landschaft ist.


Neues Schloss Simmern – Kontinuität

Mit dem Neuen Schloss in Simmern schließt sich der Ausstellungszyklus 2026. Obwohl die Stadt nicht unmittelbar am Rhein liegt, gehört sie historisch und kulturell zum weiteren Raum des Mittelrheins.

Für RHEIN!ROMANTIK? besitzt Simmern darüber hinaus eine besondere Bedeutung. Während viele Ausstellungsorte das Projekt nur für einen begrenzten Zeitraum begleiten, kehrt RHEIN!ROMANTIK? seit mehreren Jahren immer wieder in das Schloss zurück. Dadurch ist eine Verbindung entstanden, die über eine einzelne Ausstellung hinausgeht.

Simmern steht deshalb nicht nur für regionale Geschichte, sondern auch für Kontinuität innerhalb des Projekts. Hier lässt sich beobachten, wie aus einzelnen Ausstellungen, Begegnungen und Beiträgen allmählich ein gemeinsamer Erinnerungsraum entsteht – ein Raum, der selbst Teil der fortlaufenden Geschichte von RHEIN!ROMANTIK? geworden ist.


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