Unser Bild vom Rhein entsteht auf unterschiedlichen Wegen. Manches wird uns durch Märchen, Sagen, Gedichte und überlieferte Bilder erzählt. Lange bevor wir selbst am Ufer stehen, kennen wir bereits Burgen, Ritter, Nixen und die Loreley. Aus solchen Erzählungen entsteht ein scheinbar vertrauter Rhein: das Ausrufezeichen.
Daneben steht der unmittelbar erlebte Rhein. Menschen, die nicht mit seinen bekannten Bildern und Geschichten aufgewachsen sind, begegnen ihm zunächst als wirklicher Landschaft und persönlichem Lebensraum. Sie vergleichen ihn mit anderen Flüssen und anderen Heimaten, entdecken Unerwartetes und stellen eigene Fragen. Aus dem vermeintlich feststehenden Bild wird ein Fragezeichen.
Die beiden folgenden Beiträge zeigen diese unterschiedlichen Bewegungen. „Fremder Blick – ohne vorgeprägtes Bild“ beginnt bei der persönlichen Begegnung und fragt, was der Rhein für den einzelnen Menschen werden kann. Die „Modernen Märchenvariationen“ nehmen dagegen überlieferte Motive auf und erzählen sie aus heutiger Sicht weiter.
Beide Positionen stehen nicht unverbunden nebeneinander. Das Erlebte kann zu einer neuen Geschichte werden, und jede überlieferte Geschichte kann durch eine neue Erfahrung verändert werden. Zwischen Ausrufezeichen und Fragezeichen bleibt das Rheinbild deshalb in Bewegung.
Meine kritische Einschränkung: Die Überschrift „ohne vorgeprägtes Bild“ trifft nicht auf alle Personen dieses Beitrags vollständig zu. Einige kannten den Rhein bereits aus Bildern, Geschichten oder familiären Erinnerungen. Präziser wäre daher:
A) Fremder Blick – zwischen Vorstellung und eigener Erfahrung (! → ?)
Das entspricht auch dem tatsächlichen Inhalt der vorhandenen Beiträge besser. Den Märchentext konnte ich über den angegebenen Link technisch nicht vollständig abrufen; da er noch nicht abgeschlossen ist, sollte später geprüft werden, ob er die beschriebene Bewegung vom überlieferten zum neu erzählten Rhein tatsächlich leistet.
