RHEIN!ROMANTIK? – Gedanken zum Thema und zur eigenen Sichtweise


RHEIN!ROMANTIK? versteht Rheinromantik nicht als feststehenden Begriff und auch nicht als eindeutig definierbare Stilrichtung. Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Besonderheit des Projekts.

Was als „romantisch“ empfunden wird, hängt oft stark von persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen, historischen Kenntnissen und individuellen Blickwinkeln ab. Dasselbe Bild kann bei unterschiedlichen Menschen völlig unterschiedliche Gedanken auslösen.

Für den einen ist eine Burg am Rhein Ausdruck von Schönheit, Geschichte und Sehnsucht. Für den anderen erinnert sie an Macht, Gewalt und Unterwerfung.

Ein Weinberg kann als idyllische Kulturlandschaft erscheinen – oder als Ort harter körperlicher Arbeit.

Ein Dampfschiff kann Nostalgie hervorrufen – oder an schwere und gesundheitsschädliche Arbeit erinnern.

Auch sakrale Orte tragen häufig mehrere Bedeutungsebenen gleichzeitig in sich:
Spiritualität, Kunst und Architektur ebenso wie historische Konflikte, Ausgrenzung oder Verfolgung.

Vielleicht entsteht gerade aus diesen Spannungen das eigentliche Fragezeichen von RHEIN!ROMANTIK?.

Hinzu kommt ein weiterer Gedanke:
Viele Bilder, die wir heute als typisch „rheinromantisch“ empfinden, entstanden erst rückblickend. Burgruinen wurden nicht als romantische Orte gebaut. Sie waren ursprünglich Teil realer Macht-, Schutz- und Kontrollsysteme. Erst später wurden sie ästhetisiert, idealisiert und zu Sehnsuchtsorten erklärt.

Rheinromantik könnte deshalb weniger eine Eigenschaft der Landschaft selbst sein als vielmehr eine bestimmte Art, auf Landschaft, Geschichte und Erinnerung zu blicken.

RHEIN!ROMANTIK? möchte diese unterschiedlichen Sichtweisen nicht vereinheitlichen oder vorgeben. Das Projekt lebt vielmehr davon, dass verschiedene Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen dürfen.

Das Fragezeichen im Titel ist deshalb nicht als Auflösung gedacht, sondern als bewusste Offenheit.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind eingeladen, ihre eigene Sicht auf den Rhein einzubringen:

  • persönlich,
  • widersprüchlich,
  • poetisch,
  • dokumentarisch,
  • kritisch,
  • erinnernd,
  • beobachtend,
  • suchend.

Nicht die „richtige“ Definition von Rheinromantik steht im Mittelpunkt, sondern die Vielfalt möglicher Perspektiven auf den Rhein und seine Bilderwelten.


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