Vorwort Katalog 2027


Vorwort

RHEIN!ROMANTIK? beginnt dort, wo Erwartungen unsicher werden – zwischen Blick und Wirklichkeit, zwischen Mythos und Gegenwart. Der Rhein ist dabei nicht nur Landschaft, sondern Projektionsfläche, Arbeitsraum, Erinnerungsort und Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung zugleich.

Die historische Rheinromantik des 19. Jahrhunderts hat ein Bild geprägt, das bis heute nachwirkt: Natur als Sehnsuchtsraum, der Fluss als Bühne innerer Empfindung. Dieses Bild ist wirkmächtig geblieben – gerade weil es sich mit der Realität nie vollständig deckt. Genau in dieser Differenz setzt RHEIN!ROMANTIK? an.

Das Projekt versteht sich nicht als Fortschreibung eines überlieferten Motivs, sondern als offene Befragung: Was bleibt von der Rheinromantik, wenn man sie nicht reproduziert, sondern mit der Gegenwart konfrontiert? Welche Bilder entstehen, wenn Alltag, Nutzung, Technik und persönliche Erfahrung in den Blick treten?

Mit dem Jahr 2027 tritt das Projekt in eine Phase der Verdichtung ein. Nach mehreren Jahren kontinuierlicher Erweiterung geht es weniger um Ausweitung als um Klärung: bestehende Formate werden überprüft, Zusammenhänge präzisiert, inhaltliche Linien deutlicher sichtbar gemacht.

Die künstlerischen Beiträge – aus Malerei, Fotografie, Text und weiteren Medien – folgen weiterhin keinem einheitlichen Stil. Gemeinsam ist ihnen der Versuch, Wahrnehmung sichtbar zu machen: als Annäherung, als Bruch, als Gegenbild oder als leise Verschiebung vertrauter Vorstellungen.

RHEIN!ROMANTIK? ist kein abgeschlossenes Konzept, sondern ein fortlaufender Prozess. Mit 2027 sind wesentliche Teile des auf das BUGA-Jahr 2029 angelegten Weges zurückgelegt. Zugleich wird deutlicher, dass die Weiterführung dieses Weges nicht selbstverständlich ist, sondern von der aktiven Mitwirkung der Beteiligten abhängt.

Die organisatorischen und personellen Ressourcen sind begrenzt. Daraus folgt eine klare Konzentration: Formate werden nicht erweitert, sondern gezielt fortgeführt. Öffentliche Lesungen treten in den Hintergrund. Die Schreibwerkstatt wird als zentraler Ort der inhaltlichen Auseinandersetzung und Verdichtung gestärkt.

Diese Verschiebung ist keine Einschränkung, sondern eine inhaltliche Entscheidung. Der Fokus liegt stärker auf dem, was innerhalb des Projekts entsteht – auf Texten, Bildern und ihren Beziehungen untereinander.

RHEIN!ROMANTIK? bleibt damit ein offenes Gefüge – getragen von denjenigen, die sich beteiligen, und geprägt von der Bereitschaft, den begonnenen Weg gemeinsam weiterzugehen.