Wie entsteht eine Ausstellung?


Besucher sehen meist nur das Ergebnis: Bilder an den Wänden, Skulpturen im Raum, Texte im Katalog. Der Weg dorthin bleibt oft unsichtbar. Dabei entsteht eine Ausstellung nicht durch eine einzelne Entscheidung, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Aufgaben.

Am Anfang stehen die Künstlerinnen und Künstler. Sie reichen keine einzelnen Bilder ein, sondern Werkgruppen – eine bewusste Auswahl ihrer Arbeiten. Diese Auswahl erzählt bereits etwas über ihre Sicht auf das Thema RHEIN!ROMANTIK? und darüber, welche Arbeiten sie selbst für repräsentativ halten.

Vor Beginn der Jurierung werden die Juroren mit dem Projektgedanken vertraut gemacht. Sie erhalten keine Lebensläufe, keine Hinweise auf Ausbildungen oder Auszeichnungen und keine Informationen darüber, ob jemand hauptberuflich als Künstler arbeitet oder seine Arbeiten in der Freizeit schafft. Beurteilt werden ausschließlich die eingereichten Werkgruppen.

Die Jury besteht aus fünf unabhängigen Jurorinnen und Juroren. Jede Stimme hat das gleiche Gewicht. Für jede Werkgruppe entscheidet jeder Juror lediglich: angenommen oder abgelehnt. Aus der Summe dieser fünf unabhängigen Entscheidungen entsteht eine Rangfolge. Sie bildet die Grundlage für die Auswahl der Exponate.

Auch dieses Verfahren macht Kunst nicht objektiv. Jeder Juror bringt seine eigenen Erfahrungen, Sehgewohnheiten und sein persönliches Kunstverständnis mit. Gerade deshalb besteht die Jury aus mehreren Personen. Unterschiedliche Blickwinkel sollen sich ergänzen, nicht gegenseitig ersetzen.

Mit der Jurierung ist die Arbeit jedoch noch nicht beendet. Eine Ausstellung ist mehr als eine Rangliste.

Auf Grundlage der Jurierung wird anschließend ein Ausstellungskonzept für den jeweiligen Ort entwickelt. In der Regel stammen die Exponate aus der aktuellen Jurierung. Je nach Ausstellungskonzept können jedoch auch Bestandsexponate aus früheren Jurierungen einbezogen werden. Manche Ausstellungsorte setzen besondere Schwerpunkte – etwa auf Fotografie oder auf bestimmte Themenbereiche. Solche kuratorischen Entscheidungen verändern nicht das Ergebnis der Jurierung, sondern gestalten die Ausstellung für den jeweiligen Raum und Anlass.

Schließlich setzt auch der Ausstellungsort Grenzen. Die verfügbare Hängefläche ist begrenzt. Nicht alles, was Zustimmung gefunden hat, kann gleichzeitig gezeigt werden. Jede Ausstellung bleibt deshalb eine Auswahl.

Vielleicht liegt gerade darin ihr besonderer Charakter. Eine Ausstellung ist keine endgültige Aussage über den Wert eines Künstlers. Sie ist vielmehr das Ergebnis eines transparenten Prozesses, in dem Künstler, Juroren und Kuratoren unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Nicht der Name des Künstlers steht dabei im Mittelpunkt, sondern die Frage, ob es gelungen ist, eine Idee allein durch die eingereichten Arbeiten sichtbar zu machen.

RHEIN!ROMANTIK? unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von vielen Wettbewerben. Ziel des Projekts ist nicht die Auszeichnung der „besten“ Künstlerinnen oder Künstler. Es geht nicht um Preise oder Ranglisten, sondern um die Entstehung einer Ausstellung.

Die Jurierung dient deshalb nicht dazu, den künstlerischen Wert eines Menschen zu bestimmen. Sie soll Werkgruppen auswählen, die sich mit dem Thema RHEIN!ROMANTIK? auseinandersetzen und gemeinsam eine vielschichtige Ausstellung entstehen lassen.

Gerade darin liegt der Unterschied. Eine Ausstellung ist mehr als die Summe einzelner Arbeiten. Bilder treten miteinander in Beziehung, ergänzen sich, widersprechen einander oder eröffnen neue Sichtweisen. Erst im Zusammenspiel entsteht ein Raum, der Besucherinnen und Besucher zum eigenen Nachdenken einlädt.


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