Vorwort

RHEIN!ROMANTIK? beginnt dort, wo Erwartungen an ihre Grenzen stoßen – zwischen Blick und Wirklichkeit, zwischen Mythos und Alltag, zwischen historischer Überlieferung und künstlerischer Erfahrung. Das Obere Mittelrheintal ist eine Landschaft, die durch ihre jahrhundertealte Verbindung von Natur, Kultur und menschlicher Aneignung eine besondere Faszination entfaltet. Während Burgen, Weinberge und Rheinorte seit jeher Reisende und Künstler inspirierten, stellt sich heute neu die Frage: Was bedeutet „Rheinromantik“ in einer Welt, die sich rasant verändert?

Die Romantik des 19. Jahrhunderts hat ein Bild des Rheins in die Welt gesetzt, das bis heute nachhallt – von idyllischer Natur, von Sehnsucht und von der Erhebung des Augenblicks. Seither hat sich vieles gewandelt: Mobilität, Industrie, Alltagsrhythmen und gesellschaftliche Rahmen. Doch das Bedürfnis, diesen Fluss als Ort der Tiefe, der Reflexion und der kulturellen Resonanz zu begreifen, ist geblieben. RHEIN!ROMANTIK? stellt sich dieser Spannung – nicht um den romantischen Mythos bloß zu reproduzieren, sondern um ihn zu hinterfragen, zu spiegeln und weiterzudenken.

Ein besonderes Augenmerk galt 2026 dem Thema „Der Rhein als Verbindung und Trennung“ – nicht als fotografisches Leitthema, sondern als literarisch-essayistische Reihe im Rahmen unserer Werkstatt. Die entstandenen Texte kommen ohne Bilder aus oder greifen vorhandene Bildwerke auf und setzen sie retrospektiv in neue Zusammenhänge. So entsteht kein kuratierter Bilderzyklus, sondern eine vielstimmige Reflexion über Grenzen – als reale Trennlinien in der Wahrnehmung des Rheins.

Wie in den Vorjahren suchen wir auch 2026 neue und vertraute Orte auf.
Wir betreten historische Räume wie das Hilchenhaus und das benachbarte Museum Lorch, kommen dem Rhein näher denn je in der schwimmenden Sonderausstellung auf der MS „Rheingau“, wechseln in städtische Räume wie das Altes Rathaus und zeigen unsere R!R? en passant-Ausstellungen im Brentanohaus in Oestrich-Winkel sowie auf Burg Namedy und Burg Gutenfels. Den Abschluss bildet – wie gewohnt – die Ausstellung im Schloss / Museum Simmern.

Die Arbeiten der beteiligten Künstlerinnen und Künstler – in Malerei, Fotografie, Collage, Text und weiteren Formen – eröffnen verschiedene Perspektiven: Mal reflektieren sie vertraute Motive, mal rücken sie das Unerwartete ins Licht. Sie zeigen, wie Bilder von Landschaft, Geschichte und Alltag miteinander verwoben sind. In der Auseinandersetzung mit der Rheinromantik begegnen wir nicht nur einer ästhetischen Tradition, sondern einer fortlaufenden, lebendigen Debatte über den Wert des Sehens, des Wahrnehmens und des Erzählens.

RHEIN!ROMANTIK? ist ein offenes Feld. Es wächst mit den Ausstellungsorten, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, den Besucherinnen und Besuchern – und mit dem permanenten Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Ausstellungssaison 2026 ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Sie lädt dazu ein, den Rhein neu zu betrachten – nicht nur als romantisches Versprechen, sondern als vielstimmige Realität, die sich in jedem Blick, jedem Werk und jedem Ort anders zeigt.

Wir danken allen Künstlerinnen und Künstlern, allen Gastgebern und allen, die dieses Projekt durch ihre Aufmerksamkeit und ihr Interesse möglich machen.

Das Orga-Team von RHEIN!ROMANTIK?

Nach diesen Überlegungen zur Idee von RHEIN!ROMANTIK? geben die folgenden Seiten einen Überblick über die Ausstellungen und Stationen des Jahres 2026.

Bereits 2025 war RHEIN!ROMANTIK? erstmals gleichzeitig an drei Orten sichtbar (unser Ausstellungsplakat hing parallel am Bahnhof Bad Salzig, an der Propstei Hirzenach und auf der Schönburg in Oberwesel).

2026 führen wir diesen Gedanken mit parallelen Ausstellungen fort.

Den Auftakt bildet am 20. März die schwimmende Sonderausstellung an Bord der MS „Rheingau“.
Bis in den November hinein ist sie zwischen Rüdesheim/Bingen und St. Goar/St. Goarshausen unterwegs – mitten im Strom, zwischen Burgen, Reben und Felsen.

Ab April folgen weitere Stationen entlang des Rheins:
die Hauptausstellung im Hilchenhaus (+ Museum) Lorch,
die Mini-Ausstellung R!R? en passant im Brentanohaus in Oestrich-Winkel (11. April – 15. August 2026),
sowie im Juli die Hauptausstellung im Alten Rathaus Andernach.

Wie schon 2025 ist RHEIN!ROMANTIK? damit auch 2026 zeitweise gleichzeitig an mehreren Orten zu sehen – im April/Mai sowie erneut im Juli.

Zwischen dem 11. April und dem 31. Mai sind gleichzeitig zu sehen:
die Sonderausstellung auf der MS „Rheingau“,
die Hauptausstellung im Hilchenhaus und im Museum Lorch
und R!R? en passant im Brentanohaus.

Vom 12. bis 26. Juli kommen zur Sonderausstellung auf der MS „Rheingau“ zusätzlich R!R? en passant im Brentanohaus und die Hauptausstellung im Alten Rathaus Andernach hinzu.

Im Spätsommer wandert die Mini-Ausstellung R!R? en passant weiter auf Burg Gutenfels, im Oktober auf Burg Namedy.

Den Abschluss des Ausstellungszyklus 2026 bildet – wie in den Vorjahren – die Ausstellung im Hunsrück-Museum (SIM IV).
Vom 24. Januar bis 21. Februar 2027 wird dort noch einmal ein kondensierter Blick auf das vergangene Jahr gezeigt.
Simmern markiert den organisatorischen Schlusspunkt unseres zwölfmonatigen Zyklus.