Rückblick

Auftakt Rückblick

Im Veranstaltungsjahr 2025 zeigten wir in Koblenz (Löhr-Center), Badenheim (Galerie unterm Maulbeerbaum) und Simmern (Schloss) unsere umfangreichen Ausstellungen. In Hirzenach (Propstei) und auf der Schönburg (Oberwesel) präsentierten wir die kleinere Ausstellung von RHEIN!ROMANTIK? en passant. Die Vernissagen in Badenheim, Oberwesel und Simmern waren bestens besucht und fanden in einer angeregten, gelösten und fast familiären Atmosphäre statt. Das lag an einem offenkundig interessierten Publikum, aber auch an der Tatsache, dass wir eine gelungene Mischung aus Bild und Text präsentieren konnten.

Ob und wie eine Ausstellung gelingt, hängt von vielen Faktoren ab, von den Exponaten natürlich, von unserer Organisation und von der Präsentation. Zur Präsentation gehört das Zusammenspiel zwischen dem Ort der Ausstellung und der Hängung der Bilder, und dieses Zusammenspiel gelang schon in unserer ersten Ausstellung in Badenheim ausgezeichnet. Hier konnten wir auch auf ein Publikum zählen, das der Galerie seit langem verbunden ist und die relative Ferne von unseren sonstigen „Spielorten“ (Badenheim liegt in der Bad Kreuznacher Gegend) mehr als wettmachte.

Während wir im Koblenzer Löhr-Center wahrscheinlich mehr Besucher hatten als in jeder anderen unserer Ausstellungen in diesem Jahr, handelte es sich in diesem Fall um die Laufkundschaft des Löhr-Centers und die Besucherzahl ist für uns schwer einzuschätzen. Anders in dem schon erwähnten Badenheim und anders auch an den andern Ausstellungsorten. In Hirzenach profitierten wir vom „Tag des offenen Denkmals“, der an diesem einzigen Tag etwa 80 Besucher in die Propstei führte.  In Oberwesel lag der Fall wieder anders, denn dort kamen zu den einheimischen Besuchern die Gäste des Schlosshotels hinzu, die sich – nach eigenem Eindruck – besonders interessiert an den Texten, Bildern und Bildtexten der Ausstellung zeigten. Die Ausstellung in Simmern war – jetzt im zweiten Jahr – schon so gut wie ein „Heimspiel“, und wieder durften wir auf das Engagement und die Sachkenntnis der Museumsleitung zählen. Unsere Bilanz des Jahres 2025 ist also durchweg positiv, und wir freuen uns mit neuem Schwung auf die Ausstellungsorte des Jahres 2026.

RHEIN!ROMANTIK? in den Weinbergen von Rheinhessen

Mit unserer 12. Ausstellung bestückten wir die historische „Galerie unterm“ Maulbeerbaum“ der Familie Auernheimer in Badenheim bei Sprendlingen. In der ehemaligen Tuchmacher-Hofreite aus der Zeit um 1800 entstand seit 1978 ein Ort für Kunst, Austausch und Begegnung. In drei ineinander übergehenden Hofreiten, in deren Mauern viele verschiedene üppige Pflanzenarten gedeihen und wo der alte Maulbeerbaum das Zentrum des Eingangshofes bildet, präsentierten wir vom 24. Mai bis 15. Juni 2025 57 Exponate als  Gemälde, Fotografien, Skulpturen, Texte und Videos von Künstlern, die sich mit dem Rhein und seinen vielschichtigen Ansichten sowie Bedeutungen und Funktionen auseinandersetzten.

Der Aufbau der Ausstellung am 19. Mai war von Ekkehard Wulff als Ortsvermesser sowie Bildtiteldrucker und besonders von unseren Kuratoren Joachim und Hannelore Bliemeister als Arrangeuren der zusammengehörigen Exponate sehr gut vorbereitet. Ihre Mappe mit der Anordnung  von Bildern aller Werke beschleunigte deren Platzierung und Hängung in den beiden Hofbereichen, der Empore und dem hinteren kleinen Ausstellungsraum. Letzterer diente auch als Standort des Fernsehers von Stefan Tannenberg mit seinen Romantikimpressionen als Dauerschleife. Brigitte Auernheimer stellte die notwendigen Leitern zum Aufstieg der hängefreudigen und schwindelfreien Kollegen zur Verfügung. Schnüre von Bilderschienen und Nägel konnten frei platziert werden. Weitere hilfsbereite Hände von Walter Nussbaum, Karlheinz Günther, Helmut Wagner, Hans-Georg Grünert, Elfriede Müller-Gattermeier und Gerlinde Wolf beschleunigten das Fertigstellen des Aufbaus. Die Anlieferung und Platzierung der Skulpturen – einige mit beachtlichem Gewicht – wurde durch die betreffenden Künstler selbst vorgenommen.

Die Vernissage am 24. Mai fand das Interesse von mehr als 60 Besuchern. Brigitte Auernheimer drückte ihre Freude darüber aus, dass die Rheinromantik ihre Reichweite bis in die Weinberge von Rheinhessen ausgedehnt hat und dass ihre Galerie die vielseitigen Werke einer Vielzahl von Besuchern als interessantes Thema präsentieren kann. Der Moderator der Künstlergruppe, Helmut Wagner, stellte den Besuchern das 2019 gegründete  Projekt vor, das bis zum BUGA-Jahr 2029 mit weiteren Ausstellungen fortgeführt wird. Er dankte Frau Auernheimer für die spontane Zusage der „Galerie unterm Maulbeerbaum“ als Ausstellungsort und für die weit gestreute Ankündigung in der Presse sowie auf der Homepage, weiterhin für die Bereitstellung von Weinen regionaler Winzer und eigener Kuchen. Für letztere war ein dem Haus zugeordneter Spendentopf aufgestellt. Die Künstlergruppe spendierte 100 Brezeln für die Besucher. Nach der von Frau Auernheimer eröffneten Ausstellung standen die anwesenden Künstler den Besuchern zu ihren Werken Rede und Antwort. Stefan und Cathrin Tannenberg dokumentierten mit Videoaufnahmen viele Aspekte unserer Vernissage, ebenso wie unsere Eventfotografin Gerlinde Wolf.

Der nächste Tag brachte in Verbindung mit dem „Tag der offenen Gärten in Rheinhessen“ über 80 weitere Besucher in die Ausstellung.

Als fester Teil des Projekts bieten unsere Literaten Lesungen während der Ausstellungen an. Christa Estenfeld las aus ihrer Erzählung „Wie weit darf ich reisen?“ Ein Junge aus einem Mainzer Hinterhof der 50er Jahre bricht zu einem überraschenden Abenteuer auf. Was nimmt er mit – und was erfährt er an diesem wilden Ort?                                                       Susanne Enderwitz moderierte die Lesung, der am 1. Juni 15 Besucher folgten.

Anette Dott trug interessierten Besuchern freitags ihre poetischen Assoziationen zu ausgewählten Bildern vor.

Am 16. Juni, dem Tag der Finissage, bot Karl-Josef Perscheid mit einer Beamerpräsentation den vielen Besuchern einen vielseitigen Einblick in Geschichten und Motive von ausgewählten 100 Loreley-Postkarten, von denen er in vielen Jahren über 1000 Stück gesammelt hat. Sein Vortrag zeigte seltene Ansichten von Landschaft, Schifffahrt, Mode, Werbung  und Politik vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. Helmut Wagner fasste mit Beginn der Finissage ab 17 Uhr den Verlauf der Ausstellung zusammen, dankte Frau Brigitte Auernheimer für die großartige und gastfreundliche Unterstützung während der Öffnungszeiten und führte zum Abschluss eine Bildbesprechung von 10 ausgewählten Werken (Gemälde, Fotografien, Skulpturen), um Besuchern Sichtweisen von bildenden Künstlern zur Gestaltung ihrer Werke nahezubringen.                

Bei unserer Ausstellung in Badenheim konnten 4 Künstlerinnen und Künstler je eines ihrer Werke verkaufen.

Wir danken auch unseren Künstler:innen, die Aufsicht geführt und Besucher:innen der Ausstellung Informationen zu unserem Projekt und den ausgestellten Exponaten gegeben haben: Mali Schaette, Furkan Saygin, Ankica Tadic, Angelika Nocka, Elfriede Müller-Gattermeier, Marlies Abele, Julian Witte, Helmut Wagner, Walter Nussbaum, Ekkehard Wulff, Gerlinde Wolf, Monika Baab, Anette Dodt, Prof. Dr. Michael Kastor, Jutta Zibilla, Ivgeniia Albini, Irmela Heß, Mechthilde Keuler.

Helmut Wagner

RHEIN!ROMANTIK? en passant – Propstei Hirzenach

Kunst im historischen Garten – RHEIN!ROMANTIK? in der Propstei Hirzenach

Die Propstei Hirzenach ist ein Ort mit großer Tiefe und Geschichte: Eine ehemalige Benediktinerpropstei aus dem frühen 12. Jahrhundert, die mit ihren alten Klosterbauten, der romanisch‑gotischen Pfarrkirche St. Bartholomäus und dem barocken Propsteigarten ein einzigartiges Denkmalensemble am Mittelrhein bildet — eingebettet in die Landschaft und doch abseits der großen Touristenströme.

Am Tag des offenen Denkmals 2025 wurde dieses historische Umfeld zur Bühne für eine andere Art von Begegnung: Die Künstlergruppe RHEIN!ROMANTIK? zeigte ihre Ausstellung en passant im Garten und in den Räumen der Propstei. Bei strahlendem Spätsommerwetter schlossen sich dort Kunst und Ort in einer Atmosphäre zusammen, die Besucher:innen sowohl zum Sehen als auch zum Verweilen einlud. Der Förderverein Propsteigarten Hirzenach feierte an diesem Tag zugleich sein 25‑jähriges Bestehen — ein Jubiläum, das mit rund 100 Gästen begangen wurde.

Die Führungen durch die historische Denkmalzone des ehemaligen Klosters stießen auf reges Interesse, und rund 80 Besucher:innen zählten die Ausstellungsräume der RHEIN!ROMANTIK?‑Werke. Für einen musikalisch‑festlichen Rahmen sorgte das Mittelrheinische Jugendblasorchester, dessen Klänge durch den Garten klangen und der Veranstaltung eine beschwingte Leichtigkeit verliehen. Für viele wurde der Tag zu einem wunderbaren Zusammenspiel von Geschichte, Musik, Gartenlust und künstlerischer Neugier.

RHEIN!ROMANTIK? im Hotel „Auf Schönburg“ (Oberwesel)

Die Schönburg ist ein besonders anziehender Ort der Rheinromantik, liegt sie doch hoch über dem Städtchen Oberwesel und ist auch vom Tal aus weithin zu erkennen. Aus einer bestimmten Perspektive erinnert sie mit ihren (aufgemalten) Sandsteinquadern, ihren Türmen und den ineinander verschachtelten Gebäuden an die „Anker-Steinbaukästen“, die auf ein Konzept des Pädagogen Friedrich Fröbel zurückgehen und in den Kinderzimmern der Generation um 1900 – oder jedenfalls in den wohlhabenderen Schichten derselben – das „Lego“ späterer Generationen waren. Lange Zeit teilte sich das dort ansässige Hotel die Burg mit einem katholischen „Kolpinghaus“, aber inzwischen befinden sich außer dem Hotel und seinem Restaurant nur noch das Schloss-Museum auf dem Gelände.

In diesem wunderbaren Ambiente durften wir im Oktober unsere Ausstellung RHEIN!ROMANTIK? en passant zeigen, die in den Räumen des Restauranttrakts untergebracht war. Bereits am Eingang zum Restaurant wies eine Texttafel auf unsere Künstlergruppe, ihre Aktivitäten und Ziele hin, und im Innern waren dann die zehn großformatigen Abbildungen der Bilder und Fotografien gehängt, die einen repräsentativen Querschnitt durch unsere weit zahlreicheren Exponate darstellen. Auch wenn der kleinräumig strukturierte Ausstellungsort für uns schwer zu „bespielen“ war, nahmen Burgbesucher und Hotelgäste die Bilder so interessiert wahr, dass die Ausstellung am Schluss sogar noch um eine Woche verlängert wurde.

Auch die Vernissage war ein Erfolg, obwohl die Teilnahme wegen der begrenzten Räumlichkeiten nur nach persönlicher Anmeldung möglich war. Herr Hüttl, der Pächter der Burg, hatte als Veranstalter die Organisation übernommen, und wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal für seine herzlichen Worte und den großzügigen Sektempfang bedanken. Wie immer moderierte Helmut Wagner die Veranstaltung, auf der die Künstler:innen mit Anmerkungen zu sich und ihren Werken zu Wort kamen. Überdies trugen Helmut Wagner und Monika Böss Auszüge aus Beschreibungen und Impressionen vor, die von Literaturinteressierten unter ihrer Regie zu den einzelnen Bildern verfasst worden waren.

Auch Lesungen fanden im Oktober auf der Schönburg statt – angefangen mit Alfred Rosen und einem Auszug aus seinem historischen Roman Der Atem der Häscher, der von einem Oberweseler Kriegsteilnehmer handelt. Noch weiter in die Geschichte griff Susanne Enderwitz, die die romantische Schriftstellerin Bettina von Arnim vorstellte – Schwester von Clemens Brentano, Ehefrau von Achim von Arnim und Schriftstellerin eigenen Rechts –, die auch im Bereich der Rheinromantik ihren Platz hat. Weiter ging es mit Ingrid Leonhard und ihrer eigenen Recherche zu den historischen Hintergründen im Zusammenhang mit Blüchers Rheinüberquerung. Walter Karbach verband seine Kindheitserinnerungen an Oberwesel mit den Memoiren des Oberweselers Heinrich Lichtenstein, dem er unter dem Titel Heinrich F. Lichtenstein – Mein Leben in Deutschland vor und nach dem 30. Januar 1933 ein ganzes Buch gewidmet hat. Den Abschluss bildete ein Vortrag von Karl Josef Perscheid, der über lange Jahre hinweg Postkarten zur Loreley gesammelt hat und ein historisches Panorama zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert aufblätterte.

RHEIN!ROMANTIK? im Löhr-Center Koblenz

Kann ein Einkaufszentrum ein Ort der Kunst sein? Diese Frage stellte sich bei der Ausstellung von RHEIN!ROMANTIK? im Löhr-Center Koblenz auf ganz praktische Weise. Zwischen Modeketten, Rolltreppen, Werbebildschirmen und Passantenströmen traten 24 Exponate in den Dialog mit dem Alltag. Die Atmosphäre: laut, schnell, bewegt – und gerade deshalb eine Herausforderung an die Wirkungskraft der Bilder.

Statt kontemplativer Betrachtung: flüchtige Blicke. Statt klassischer Hängung: die Suche nach Sichtachsen zwischen Geschäften, Lichtsituationen und architektonischen Gegebenheiten. Doch genau hier entfaltete sich das Potenzial dieser Intervention: Kunst, die überrascht, bremst, innehalten lässt. Wer stehen blieb, blickte anders – nicht nur auf die Werke, sondern auch auf den Ort.

Die Rückmeldungen der Passant:innen reichten von begeisterter Neugier bis zu irritierter Distanz – beides Ausdruck echter Wahrnehmung. Einige kamen gezielt wieder, um die Werke in Ruhe zu betrachten. Andere entdeckten Kunst dort, wo sie sie am wenigsten erwartet hätten.

Das Orga-Team, unterstützt von Ekkehard Wulff, Helmut Wagner, Joachim und Hannelore Bliemeister, sowie Eventfotografin Gerlinde Wolf, stemmte Aufbau, Betreuung und Kommunikation – teils unter den Augen der Center-Gäste. Eine Galerie in Bewegung – mitten im Konsumstrom. RHEIN!ROMANTIK? in Reibung mit der Realität.