Vorschau auf die Laudatio für die MS Rheingau
Einen Mangel an Experimentierfreude kann man Rhein!Romantik? nicht vorwerfen, und deshalb benutzen wir bei Gelegenheit auch gerne bewegliche Objekte als Ausstellungsfläche. Im Jahr 2024 waren das die Gondeln der Koblenzer Seilbahn, und im Jahr 2026 soll es ein Fahrgastschiff der Rössler-Linie werden. Von April bis November werden ausgewählte Werke (Gemälde, Fotografien) aus unserem Bestand auf der MS „Rheingau“ zu sehen sein, wenn auch „nur“ als Kopien im Format A2.
Alle Werke stammen von Künstler:innen, die in der Region des Oberen Mittelrheintals leben und arbeiten oder sie zumindest wie ihre Westentasche kennen. Ihr bildnerischer Zugang zu Wasser, Landschaft, Monumenten, Städten und Menschen ist trotzdem so unterschiedlich, wie es bei so vielen Individualitäten nur sein kann. Verbundenheit mit der Region spricht aus allen Bildern, aber manche Künstler sehen eher ihre romantische Schönheit, während andere eine kritischere Haltung einnehmen. Industrie, Transport, Klimawandel, Infrastruktur oder Tourismus sind ebenfalls Gegenstand einer eingehenden Befragung, was die Region ausmacht, wie wir sie übernommen haben und als was wir sie hinterlassen wollen. Eine eindimensionale Ästhetik verbietet sich aber von selbst: Auch ein Industriekomplex im Hafen kann ein schönes Bild abgeben, und dasselbe gilt für den Rheinboden bei Niedrigwasser oder das Abflussrohr einer Ortschaft.
Der Verzicht auf eine eindimensionale Ästhetik wird das Thema der Laudatio sein, die zur Vernissage der Ausstellung gehört. Auch und gerade eine kritische Betrachtung der Landschaft wendet sich nicht von der Landschaft ab, sondern kann nüchtern, ironisch, distanziert, empathisch und sogar liebevoll ausfallen. In jedem Fall fordern uns die Bilder zu Vergleich und Reflexion auf, und wo wäre das besser möglich als auf einem Schiff, das die Realität des Oberen Mittelrheintals vorüberziehen lässt?!
Susanne Enderwitz (R!R?)
